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Corona-Tests: Finanzierungslösungen für die Testoffensive der Bundesregierung

Corona-Tests
Noch finden in Deutschland vergleichsweise wenige Corona-Tests statt. Doch wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht, wird sich dies spätestens im April ändern. Wir zeigen, wie Testhersteller, Labors, Testzentren, Kliniken und Apotheken den Ausbau der Testkapazitäten finanzieren können.

„Unsere Devise lautet: ‚Testen, testen, testen.'“ Diese Worte, die WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus zu Beginn der Pandemie äußerte, haben sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt. Dennoch stieß der US-Ökonom und Nobelpreisträger Paul Romer auf Skepsis, als er im letzten Frühjahr eine Alternative zum Lockdown präsentierte, die auf Massentests beruhte. Romer machte den Vorschlag, jeden Amerikaner alle zwei Wochen auf das Virus zu testen und die positiv Getesteten sofort unter Quarantäne zu stellen. Er rechnete vor, eine solche Teststrategie koste die USA rund 100 Milliarden Dollar im Jahr, während ein Lockdown eine Produktivitätseinbuße von einer halben Billion Dollar pro Monat verursache.

Massentests gewinnen an Akzeptanz

Die Kritiker befürchteten, an regelmäßigen Massentests würden nicht genügend Menschen teilnehmen und negative Testergebnisse verleiteten die Bevölkerung zu unvorsichtigem Verhalten. Vor allem aber waren sie der Meinung, es sei schlicht unmöglich, so viele Tests überhaupt durchzuführen. Eine ausreichende Testinfrastruktur für ein solches Unterfangen lasse sich innerhalb nützlicher Frist ebenso wenig aufbauen wie die notwendigen Produktions- und Laborkapazitäten. Seither ist ein Jahr vergangen. Romers Plan wurde zwar in keinem Land vollständig umgesetzt. Mittlerweile stoßen breit angelegte Testkampagnen jedoch auf große Akzeptanz.

Zu den Testpionieren in Europa gehören die Slowakei, Zypern, Österreich und Dänemark. Österreich führte in der ersten Märzhälfte wöchentlich 1,5 Millionen Corona-Tests durch. Dies sind rund 25 Tests pro 1000 Einwohner und Tag. Die hohe Zahl erklärt sich nicht zuletzt damit, dass in gewissen Situationen eine Testpflicht gilt. So müssen sich Gesundheitspersonal, Einzelhandelsangestellte, Mitarbeiter mit Kundenkontakt sowie Lehrkräfte mindestens einmal pro Woche testen lassen. Auch der Besuch beim Friseur oder im Nagelstudio ist nur mit negativem Testergebnis möglich.

Neue Teststrategie der Bundesregierung

Hierzulande liegt die Zahl der wöchentlich durchgeführten Labortests gemäß Robert Koch-Institut bei 1,25 Millionen. Die maximale Testkapazität ist derzeit lediglich zur Hälfte ausgelastet. Das dürfte sich indes in absehbarer Zukunft ändern. Denn mit dem Bund-Länder-Beschluss vom 3. März weiteten die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Bundesländer die nationale Teststrategie auf Personen ohne Krankheitssymptome aus.

Bis Anfang April sollen Schüler und Arbeitnehmer jede Woche einmal die Gelegenheit zu einem freiwilligen und kostenlosen Schnelltest erhalten. Zudem darf jeder Bürger seit dem 8. März einmal pro Woche einen Gratistest in einem Testzentrum oder beim Arzt vornehmen lassen. Eine wichtige Rolle werden Tests auch bei weiteren Öffnungsschritten spielen: Wer dereinst einen Biergarten, ein Fitnessstudio oder ein Theater betreten oder Fahrstunden nehmen will, muss einen negativen Test vorweisen.

Zurückhaltende Banken

Die neue Teststrategie der Bundesregierung verschafft der durch die Corona-Krise arg gebeutelten Wirtschaft mittelfristig eine Perspektive. Sie ermöglicht Lockerungen, noch bevor Ende Sommer ein Großteil der Bevölkerung durchgeimpft sein wird. Damit die Testoffensive gelingt, braucht es allerdings massive Investitionen. Investieren müssen neben dem Staat namentlich Testhersteller, medizinische Labors, private Testzentren, Apotheken, Kliniken und Arztpraxen.

Ein Hindernis ist die große Unsicherheit. Zurzeit lässt sich kaum vorhersagen, wie sich die Nachfrage nach Tests und Laborkapazitäten in den nächsten Monaten entwickeln wird. Entsprechend schwierig ist die Prognose, ob und in welchem Zeitraum sich die Anschaffung neuer Produktionsmaschinen, Analysegeräte oder Laborautomationssysteme amortisieren lässt. Unter diesen Umständen sind die Banken äußerst zurückhaltend mit Investitionskrediten.

Leasing als flexible Alternative zum Bankkredit

Zum Glück gibt es Alternativen wie das Leasing. Leasing ist bilanzneutral und schont die Liquidität. Die Leasingkosten verteilen sich auf die gesamte Vertragsdauer und die monatlichen Raten sind fix. Anders als die Banken verlangen Leasinggesellschaften keine Beteiligung aus dem Eigenkapital. Leasingverträge werden in zwei verschiedenen Varianten angeboten: als operatives Leasing (Operate-Leasing) und als Finanzierungsleasing (Finance-Leasing). Das Finanzierungsleasing ist auf eine mittel- bis langfristige Nutzungsdauer ausgelegt und verfügt über eine feste Grundmietzeit ohne Kündigungsmöglichkeit. Dafür lassen sich die Monatsraten und Sonderzahlungen als Betriebsaufwand von der Steuer absetzen.

Angesichts des ungewissen Krisenverlaufs lässt sich die Nutzungsdauer der geleasten Geräte allerdings kaum vorhersehen. Deshalb empfiehlt sich ein operatives Leasing. Operate-Leasingverträge haben entweder keine oder eine sehr kurze Grundmietzeit. Das bedeutet, der Leasingnehmer kann das Vertragsverhältnis rasch beenden, wenn er die Geräte nicht mehr benötigt. Die Verantwortung für Wartungsarbeiten und Reparaturen liegt beim Leasinggeber.

Finetrading zur Finanzierung von Reagenzien und Testkits

Testhersteller und Labors benötigen für die Produktion und Auswertung von Corona-Tests nicht nur Maschinen, sondern auch Reagenzien und andere Chemikalien. Für die Finanzierung von Rohstoffen und Vorprodukten eignet sich insbesondere das Finetrading. Apotheken, Drogeriemärkte, Krankenhäuser und Kliniken, die in nächster Zeit massenhaft PCR-, Schnell- und Selbsttests einkaufen müssen, können von dieser Finanzierungsform ebenfalls Gebrauch machen.

Beim Finetrading übernimmt der Finanzierer die Rolle eines Intermediärs zwischen dem Lieferanten und dem Käufer. Er kauft dem Lieferanten die bestellten Waren ab, um sie dem Käufer mit längerem Zahlungsziel weiterzuverkaufen. Meist liegt das verlängerte Zahlungsziel bei 90 bis 120 Tagen. Das reicht, um die Zeit zwischen dem Einkauf der Rohstoffe oder Testmaterialien und der Vergütung für die verkauften Testkits oder die vorgenommenen Testungen respektive Laboranalysen zu überbrücken.

Mehr Spielraum für Investitionen dank Factoring

Eine weitere Finanzierungsvariante, die den Ausbau von Produktions-, Labor- oder Testkapazitäten ermöglicht, ist das Factoring. Der Verkauf der Außenstände an eine Factoringgesellschaft verkürzt die Forderungslaufzeit von durchschnittlich 42 Tagen auf 24 bis 48 Stunden. Mit dem Rechnungsverkauf geht das Delkredererisiko auf den Factor über, was die Planung des Liquiditätsverlaufs zusätzlich vereinfacht. Factoringnehmer haben daher deutlich mehr Spielraum für Investitionen. Darüber hinaus verbessert Factoring die Bonität und erleichtert dementsprechend die Aufnahme von Krediten.

Testen, testen, testen: Dies ist die Devise der nächsten Wochen und Monate. Wenn es uns gelingt, die Infizierten gezielt zu isolieren, wird es mittelfristig möglich, die Einschränkungen für den Rest der Bevölkerung zu lockern, bevor die Impfkampagne abgeschlossen ist. Selbstverständlich ist die Testoffensive nicht gratis. Mit den gezeigten Finanzierungsmethoden können Testhersteller und -anbieter ihre Kapazitäten jedoch kostengünstig ausbauen, ohne lange auf Bankkredite oder kompliziert zu beantragende Fördergelder warten zu müssen.

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