Robert Baumann Keine Kommentare
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Fremdkapital für den Mittelstand als Privatanlage

Eigenkapital ist schön und gut, doch nicht immer ausreichend vorhanden. Doch welche Möglichkeiten haben kleine Unternehmen heute um sich liquide zu halten? Während früher nahezu ausschließlich über Bankkredite finanziert wurde, stehen Unternehmen heute vor der Wahl. Welche Finanzierungsform für welches Vorhaben geeignet ist, ist dabei nicht immer klar. Eine Wahl zu haben hingegen ist eindeutig positiv. In den letzten Jahren hat sich hier auch eine neue Finanzierungsform etabliert, die Finanzierungsentscheidungen einfach, transparent und jedermann zugänglich macht – Crowdlending und -investing. Die Online-Kreditmärkte bieten einem wachsenden Publikum Anlage- und Finanzierungsmöglichkeiten. Das Modell stößt auf großen Anklang und ist definitiv eine Entwicklung die eines Blickes würdig ist.

Rekordverdächtige Finanzierung: 1 Mio. € in 9 Minuten

Crowdfinanzierungen werden immer bekannter. Für Mittelständler, die nicht nur auf Bankkredite setzen möchten, oder wichtige Investitions- oder Betriebsmittelkredite von der Bank nicht genehmigt bekommen, bieten die Online-Kreditplattformen eine interessante Option. Hier können Unternehmen ganz kurz und einfach ihre Projekte oder ihren Finanzierungsbedarf schildern und einem Publikum von Privatanlegern, den Crowdinvestoren, präsentieren. Auch der Berliner Fußballverein Hertha BSC platzierte vergangenen Jahres eine solche Anzeige auf einer Online-Finanzierungsplattform und schaffte es innerhalb von 9 Minuten und 23 Sekunden das Darlehen über 1.000.000 € zusammenzubekommen. (faz.net) Dass diese rekordverdächtige Finanzierung so schnell zustande kommen konnte, ist sicherlich dem Umstand geschuldet, dass die Verantwortlichen die Anzeige geschickt platzierten – nämlich kurz vor Spielbeginn. Doch auch die genannte Rendite für die Darlehensgeber konnte sich sehen lassen: 4,5 % Zinsen p.a. bei 3 Jahren Laufzeit – dabei handelt es sich nicht einmal um ein Nachrangdarlehen.

Dass die meisten kleineren Unternehmen nicht über ein solches Publikum verfügen ist klar, doch bieten die Online-Crowdinvesting/-financing-Plattformen den Firmen eine günstige Gelegenheit für ihre Finanzierung zu werben. Im vergangenen Jahr konnten so immerhin 249 Mio. Euro von Online-Vermittlungsplattformen eingesammelt werden.(wiwo.de)

Crowdinvesting als alternative Geldanlage immer beliebter

Dieses Konzept bietet insbesondere den Privatanlegern in Zeiten niedriger Zinsen eine nette alternative Anlagemöglichkeit. Wem undurchsichtige Aktienmärkte zu weit entfernt liegen, kann hier bereits mit wenigen Euro in die verschiedensten Projekte und Unternehmen investieren. Dabei bewegen sich die Konditionen auch in einem attraktivem Bereich oberhalb der 3 Prozent – unvorstellbar für den Standard-Sparer. Wer sein Geld derzeit auf der Bank liegen lässt erfährt nämlich eine tatsächliche Negativverzinsung des angelegten Geldes. Kein Wunder also, dass dieser Markt sich im Wachstum befindet. Der Markt für diese neuartige Finanzierungsform mag zwar noch in den Kinderschuhen stecken, doch Wachstumspotenzial ist sowohl auf Seite der Anleger, als auch auf Seite der Unternehmen reichlich vorhanden. Denn immer mehr Mittelständler zeigen sich unzufrieden mit den Kreditentscheidungsprozessen der Banken und begeben sich so auf die Suche nach anderen Möglichkeiten.

Langwierige Entscheidungsprozesse und konservatives Denken schaden Banken und Unternehmen

Bis der Kredit von der Bank gewährt oder auch abgelehnt wird können in der Regel mehrere Wochen, ja Monate ins Land ziehen. Bei den meisten Online-Finanzierungsplattformen sieht das anders aus. Hier wird dank automatisierter Prüfroutinen und kurz gehaltenen Entscheidungswegen innerhalb weniger Tage eine Entscheidung herbeigeführt. Das ist wertvolle Zeit, die Unternehmen mit kurzfristigem Kapitalbedarf zu Gute kommt.

In den Bereichen Digitalisierung und kurzfristige Betriebsmittelkredite haben die Fintechs die Nase vorn. Hier verhalten sich Banken in der Regel noch sehr konservativ. Freie Entscheidungen sind nun mal nichts für einen hochregulierten Bankensektor. Das spielt den Online-Anbietern in die Hände und verschafft diesen neue Kunden. Und so ziehen immer mehr Verantwortliche auch alternative Finanzdienstleister in Betracht, wenn es zu Finanzierungsentscheidungen kommt.

Kooperation statt Wettbewerb – Gelingt die Symbiose zwischen Banken und Fintechs?

Der Erfolg der kleinen Finanzierungsdienstleister rückt diese aber auch zunehmend in den Fokus der Geldinstitute. Hier werden immer neue Kooperationen gewagt. Der Deal zwischen David und Goliath scheint für beide Seiten perfekt. Die Online-Anbieter verschaffen den Instituten Zugang zu neuen Kundensegmenten und Marketing-Plattformen, die Anbieter wiederum profitieren von Größe, Bekanntheit und Finanzkraft der Banken.

Die zukünftige Entwicklung bleibt spannend. Werden Banken zunehmend erfolgreiche Fintechs übernehmen, oder werden die technologieorientierten Finanzierungsanbieter und -Vermittler den Banken zu einer waschechten Konkurrenz heranwachsen? Letzteres mag anhand eines Vergleiches der Kreditvolumina lächerlich erscheinen, doch wie es um das langfristige Potenzial von Digitalwährungen wie Bitcoin bestellt ist, ist bislang ebenso unentschieden wie das Schicksal der Fintechs. Eines sollte jedoch ziemlich klar sein: technologischer Vorsprung und zeitgemäßes Denken, kurz eine moderne Unternehmensphilosophie, hat noch keinem Betrieb geschadet. Wer hätte schon vor zwanzig Jahren gedacht, dass Technologie-Unternehmen, ja Start-ups wie Google, Amazon und Apple in einer nicht allzuweit entfernten Zukunft zu mehreren hundert Milliarden Dollar schweren Unternehmen heranwachsen würden?

 

 

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