Finanzierung.com Finanz-Magazin

Kontokorrentkredit: Bei falscher Verwendung teuer und gefährlich

Kontokorrentkredit
Der Kontokorrentkredit ist ein wichtiges Finanzierungsinstrument – vor allem in der aktuellen Krisensituation. Er verschafft dem Kreditnehmer dringend benötigte Liquidität. Gleichzeitig ist er teuer und verursacht ein gefährliches Abhängigkeitsverhältnis zu den Banken. Wie nutzen mittelständische Unternehmen ihre Kreditlinien richtig und was sind die Alternativen?

Der Kontokorrentkredit dient der Finanzierung des laufenden Geschäftsbetriebs. Es handelt sich um einen Kredit auf Abruf, den der Kreditnehmer flexibel in Anspruch nehmen kann, ohne an einen festen Tilgungsplan gebunden zu sein. Ein wesentlicher Vorteil des Kontokorrentkredits ist seine schnelle Verfügbarkeit. Sind die Kreditbedingungen einmal ausgehandelt, kann der Bankkunde die Kreditlinie auf seinem Geschäftskonto wiederholt nutzen, ohne dass Neuverhandlungen notwendig sind. Dementsprechend ist der Kontokorrentkredit besonders geeignet, kurzfristige Liquiditätsschwankungen auszugleichen.

Hohe Kosten

Doch der Kontokorrentkredit ist eine sehr kostspielige Finanzierungslösung. Im Januar lag der durchschnittliche Zinssatz im Neugeschäft gemäß Zinsstatistik der Bundesbank bei drei Prozent. Zinsen von acht Prozent und mehr sind keine Seltenheit. Häufig fallen selbst dann Kosten an, wenn der Kredit ungenutzt bleibt. Viele Banken berechnen auf dem nicht genutzten Teil der Kreditlinie eine Bereitstellungsprovision von bis zu drei Prozent pro Jahr. Sie rechtfertigen die Gebühr mit der Verpflichtung, für den nicht abgerufenen Teil der Kreditlinien Geld vorzuhalten. Dieses Geld können die Finanzinstitute nicht gewinnbringend einsetzen. Vielmehr müssen sie der Europäischen Zentralbank darauf einen Negativzins von derzeit −0,5 Prozent entrichten.

Gefährliches Abhängigkeitsverhältnis zur Bank

Von den hohen Kosten abgesehen bringt ein Kontokorrentkredit den Kreditnehmer in ein heikles Abhängigkeitsverhältnis zu seiner Bank: Diese ist berechtigt, den Kredit jederzeit oder innerhalb kurzer Frist zu kündigen. Eine Kündigung kann eine Abwärtsspirale auslösen, die im schlimmsten Fall in der Insolvenz endet. Wenn es dem Unternehmen nicht gelingt, den gekündigten Kredit rechtzeitig abzulösen, gerät es bei der Bank mit großer Wahrscheinlichkeit in Zahlungsverzug. Nach deren Verzugsmeldung wird es erst recht schwierig, neue Kredite zu erhalten. Dazu kommt, dass die Lieferanten, sobald sie von den Liquiditätsproblemen ihres Kunden erfahren, Vorkasse verlangen. Ist das Unternehmen wegen der verschlechterten Liquiditätssituation nicht in der Lage, im Voraus zu bezahlen, kommt es zu einem Lieferstopp.

Überziehung vermeiden

Typische Auslöser für die Kündigung des Kontokorrentkredits sind:

  • die Überziehung des vereinbarten Kreditlimits
  • die Verschlechterung der Finanz- und Ertragslage
  • der Wertverlust hinterlegter Kreditsicherheiten

Um eine Überziehung des vereinbarten Kreditlimits zu vermeiden, ist ein sorgfältiges Liquiditätsmanagement erforderlich – insbesondere jetzt, während der Coronakrise. Dadurch verringern Unternehmer nicht bloß die Gefahr einer späteren Kreditkündigung, sie sparen sich auch die hohen Überziehungszinsen. Zusätzlich verhindern sie, dass es zu einer Verschlechterung ihres Ratings kommt. Die Kontoführung ist nämlich ein wichtiger Aspekt beim bankinternen Rating. Das Schnellrating, das die Banken bei kleineren Kreditengagements anwenden, basiert sogar ausschließlich auf der Kontoführung.

Kontokorrentkredit nur für kurzfristige Finanzierungen nutzen

Wichtig ist, den Kontokorrentkredit nur für die Abdeckung kurzfristiger Liquiditätsspitzen zu verwenden. Gerade mittelständische Unternehmen nutzen ihre Kreditlinien jedoch oft zur Finanzierung mittel- und langfristiger Projekte. Durch diese Verwendung erhöhen sie sowohl ihre Finanzierungskosten als auch das Risiko einer nicht genehmigten Überziehung und sie verschlimmern die Probleme im Falle einer Kreditkündigung. Damit eine Kündigung nicht zu einer Notlage führt, empfiehlt es sich, bei mehr als einer Bank einen Kontokorrentkredit abzuschließen. Das hat im Übrigen den Vorteil, dass das Unternehmen insgesamt von höheren Kreditlimits profitieren kann.

Alternativen zum Kontokorrentkredit

Angesichts der hohen Kosten wäre es indes falsch, zur Vermeidung kurzfristiger Liquiditätsengpässe einzig auf Kontokorrentkredite zu setzen. Je nach Verwendungszweck gibt es deutlich günstigere Finanzierungsalternativen.

Fördermittel und Zuschüsse

Im Rahmen der Coronakrise haben Bund und Länder ihre Förderprogramme aufgestockt. Kleinunternehmen mit höchstens zehn Mitarbeitern, die unter krisenbedingten Liquiditätsproblemen leiden, haben Anspruch auf einen einmaligen Zuschuss von bis zu 15.000 Euro. Auch die Angebote der Kreditanstalt für Wiederaufbau wurden massiv erweitert. Ursprünglich als Investitionsdarlehen gedacht, lassen sich die KfW-Kredite nun auch zur Betriebsmittelfinanzierung verwenden. Die Zinsen wurden auf maximal 1,46 Prozent gesenkt und die Kreditprüfung vereinfacht. Dennoch dürfte die Kreditbearbeitung einige Zeit in Anspruch nehmen, zumal die Banken mit Anträgen förmlich überschwemmt werden.

Factoring

Häufig entstehen in der Krise Liquiditätsengpässe, weil sich Kunden mit ihren Zahlungen länger Zeit lassen als gewöhnlich. Ein Weg, sich gegen Zahlungsverzögerungen zu schützen, ist das Factoring, der Verkauf offener Rechnungsforderungen. Die Factoringgesellschaft überweist das Geld für die angekauften Forderungen (abzüglich eines Sicherheitseinbehalts) innerhalb von 24 Stunden. Darüber hinaus kümmert sich die Factoringgesellschaft um Inkasso und Mahnwesen und sie übernimmt – zumindest beim echten Factoring – das Risiko von Zahlungsausfällen.

Finetrading

Eine weitere Möglichkeit, Liquiditätsengpässe zu verhindern, besteht darin, mit den Lieferanten längere Zahlungsziele auszuhandeln. Viele KMU verfügen indessen nicht über genügend Marktmacht für einen Verhandlungserfolg. Das Finetrading ermöglicht ihnen, dennoch von längeren Zahlungszielen zu profitieren. Beim Finetrading handelt es sich um eine Warenfinanzierung, bei der sich der Finanzierer zwischen den Käufer und dessen Lieferanten schaltet. Der Finanzierer bezahlt die bestellten Waren sofort, wodurch er für den Käufer Skonti und Rabatte erwirkt. Der Käufer muss seine Schuld gegenüber dem Finanzierer je nach Vereinbarung erst innerhalb von 90 bis 120 Tagen bezahlen. Mittels Finetrading lassen sich auch ganze Warenlager finanzieren.

Leasing

Leasing leistet ebenfalls einen Beitrag dazu, die Liquiditätssituation eines Unternehmens zu verbessern. Denn die Leasingraten fallen in der Regel tiefer aus als die Kreditraten bei einem Kauf auf Kredit. Beim Kreditkauf muss nämlich der gesamte Anschaffungspreis getilgt werden, während die Berechnung der Leasingraten den Restwert des geleasten Objekts bei Vertragsende mitberücksichtigt. Die Leasingraten lassen sich überdies vollständig von der Steuer absetzen. Bei den Kreditraten ist lediglich der Zinsanteil abzugsfähig.

Sale-and-Lease-back

Die flüssigen Mittel eines Unternehmens sind zu einem großen Teil in seinem Anlagevermögen gebunden. Ein Verkauf von Anlagegütern wie Immobilien, Maschinen oder Fahrzeugen würde die Liquidität zwar freisetzen, ist aber meist nicht möglich, da die Objekte für den Produktionsprozess benötigt werden. Abhilfe verschafft in einem solchen Fall ein Sale-and-Lease-back, bei dem das Unternehmen Vermögensgegenstände an eine Leasinggesellschaft verkauft, um sie sogleich wieder zurückzuleasen.

Finanzierung.com unterstützt Sie bei der Suche nach Alternativen zum Kontokorrentkredit

Der Kontokorrentkredit ist flexibel und hilft, kurzfristige Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Zugleich ist er teuer und schafft bei falscher Verwendung eine gefährliche Abhängigkeit von der Hausbank. Zum Glück gibt es genügend Alternativen, die Ihnen erlauben, die Nutzung Ihrer Kreditlinien trotz Krise auf ein vernünftiges Maß zu beschränken. Gerne unterstützt sie Finanzierung.com bei der Suche nach alternativen Finanzierungslösungen. Dank unserem großen Netzwerk bestehend aus Banken und bankenunabhängigen Finanzierern finden wir für Sie die besten Angebote auf dem Markt.

Scroll to Top