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Crowdinvesting ist sicherlich eine spannende Finanzierungsform sowohl für Gründer als auch für die Investoren. Selbst Privatpersonen können dabei bereits mit fünf Euro in vielversprechende Projekte investieren. Der globale Trend ist nicht mehr aufzuhalten, was zweifellos an einigen Erfolgen mit diesem Geschäftsmodell liegt. So einfach und unkompliziert Crowdinvestitionen klingen, so bedarf es doch bestimmter Voraussetzungen für Erst- und Anschlussfinanzierungen.

Voraussetzung Nr. 1: Investoren haben keine Stimmrechte

Crowdinvesting basiert auf der Beteiligung von einigen Hundert bis einigen Tausend Mikroinvestoren. Diese dürfen keine Stimmrechte erhalten. Wenn sie diese wünschen, müssen sie stattdessen in die Stammaktien eines Unternehmens investieren.

Stimmrechtsbeteiligungen sind beim Crowdinvesting grundsätzlich nicht vorgesehen. Dadurch bleibt das Modell flexibler, die Investoren können sich mit Kleinstbeträgen beteiligen, häufig locken sehr hohe Rendite im zwei- bis dreistelligen Prozentbereich. Das funktioniert nur durch den Verzicht auf Stimmrechte, durch das ein Start-up handlungsfähig bleibt.

Die großen Crowdinvesting-Plattformen folgen dieser Regel und beteiligen ihre Investoren grundsätzlich nur wirtschaftlich. Diese profitieren von laufenden Einnahmen ebenso wie von Exit-Erlösen, vollwertige Gesellschafter mit Mitbestimmungsrechten werden sie aber nicht.

Dennoch kann eine Kommunikation eingerichtet werden, bei der die Investoren Anregungen und Kritik gegenüber dem Unternehmen äußern. Dieser Austausch bereichert das Start-up und ist ein zusätzliches Motiv für Crowdinvesting.

Voraussetzung Nr. 2: Verwässerung von Beteiligungen

Es ist dem Start-up vorbehalten, wie viel Geld es einsammeln möchte. Daher können immer wieder neue Finanzierungsrunden aufgelegt werden, welche den Gewinnanteil einzelner Investoren proportional reduzieren. Bei Anschlussfinanzierungen ist das auf jeden Fall gegeben!

Die Reduktion von Beteiligungsquoten bestehender Gesellschafter heißt “Verwässerung“ und ist von den Investoren einzukalkulieren. Sie ist eine unumgängliche Voraussetzung für Anschlussfinanzierungen, betroffen sind davon alle finanziell Beteiligten: Crowdinvesting-Investoren, Business Angels, Venture-Capital-Geber und selbstverständlich auch die Gründer und Inhaber des Unternehmens.

Voraussetzung Nr. 3: Informationsschutz

Vertrauliche Informationen, die auch an die Investoren im Zuge der Gründung gehen können, müssen geschützt bleiben. Wissen bedeutet einen Wettbewerbsvorteil, was den Start-ups und ihren Venture-Capital-Gesellschaften bewusst ist.

Auch die Mikroinvestoren sollten diesen Aspekt respektieren. Über bestimmte Details wird man sie nicht informieren, in anderen Fällen könnte eine Schweigeklausel vereinbart werden.

Start-ups wiederum müssen sehr genau abwägen, inwieweit sie Mikroinvestoren informieren. Ein VC (Venture-Capital-Geber) oder Business Angel wird nicht in Start-ups investieren, bei denen ein unnötiger Abfluss vertraulicher Informationen an Mikroinvestoren zu befürchten ist. Diese könnten der Öffentlichkeit und damit auch Wettbewerbern zugänglich werden.

Wenn ein Start-up Crowdinvesting über eine darauf spezialisierte Plattform betreibt, müssen sie auf die Reporting-Pflichten achten. Es gibt hierbei große Unterschiede.

Viele VCs betrachten Reportings zu sensiblen Finanzdaten an die Crowd als absolute Dealbreaker. Die Mikroinvestoren sollten jedoch den Geschäftsverlauf kennen.

Voraussetzung Nr. 4: Vertragslaufzeiten mit ausreichender Zeitspanne

Crowdinvesting-Kapital muss irgendwann zurückfließen, doch es soll zwischenzeitlich lange genug arbeiten. Daher gilt das Prinzip “First In, Last Out“. Das zuerst ins Unternehmen investierte Kapital fließt zuletzt wieder ab. Nur so lassen sich die VCs halten, die verhindern möchten, dass Geld vor dem Exit aus dem Unternehmen abgezogen wird.

Aus diesem Grund müssen Start-ups darauf achten, dass ihre Mikroinvestoren Beteiligungsverträge mit langer Laufzeit abschließen. Im Durchschnitt geht man von drei bis sieben Jahren bis zum Exit aus, empfohlen werden Verträge mit einer frühesten Kündigungsmöglichkeit nach acht Jahren. Auch den Crowdinvestoren muss dieser Umstand bekannt sein.

Voraussetzung Nr. 5: Investoren-Pooling

Es kann – aus welchen Gründen auch immer – zu Vertragsänderungen kommen. In so einem Fall setzen sich die VCs nicht mit einzelnen Mikroinvestoren auseinander – das wäre zu aufwendig und in vielen Fällen nicht zielführend.

Daher ist es nötig, einen Pool der einzelnen Crowdinvestoren zu schaffen, der dann einheitlich behandelt wird. Für einheitliche Vertragsänderungen sollte ein Mechanismus bestehen. Diesen Mechanismus versteht man dann unter “Investoren-Pooling”.

Fazit

Beachtet man diese Voraussetzungen, steht dem Crowdinvesting theoretisch nichts im Wege. Dennoch sollten sich Investoren darüber im Klaren sein, dass das Risiko eines Totalverlustes beim Crowdinvesting immer gegeben ist.

Vergleich Vrowdinvesting / Venture Capital

Ein analytischer Vergleich aller Crowdinvesting- und Venture Capital-Finanzierungen in Deutschland im Zeitraum Januar 2013 bis Dezember 2015 belegt einen sechsmal höheren Insolvenzanteil von Crowdinvesting gegenüber den Venture Capital-Finanzierungen. Daher sind die Voraussetzungen vorher genauestens zu prüfen und eine gewisse Skepsis angebracht.

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