Mezzanine-Kapital

Kurz und bündig erklärt in unserem Finanzierungs-Lexikon.

Was ist Mezzanine-Kapital?

Ursprünglich kommt der Name aus dem Immobilienbereich und bedeutet so viel wie „zwischen den Stockwerken“. Denn Mezzanine-Kapital ist weder dem Eigenkapital noch dem Fremdkapital zuzuordnen. Es nimmt lediglich die Eigenschaften des einen oder anderen an, wenn bestimmte Vereinbarungen getroffen werden. Je nachdem unterliegt der Kredit dann anderen steuerlichen und bilanziellen Vorschriften.

Es wird vor allem dann genutzt, wenn einem Unternehmen nicht genügend Eigenkapital zur Verfügung steht und die Bank aus diversen Gründen einen Kredit verweigert. In solchen Fällen kann Mezzanine-Kapital die rettende Alternative sein.

Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es beim Mezzanine-Kapital?

Mezzanine-Kapital kann entweder eigenkapitalähnlich oder fremdkapitalähnlich sein. Um als Eigenkapital gewertet zu werden, müssen alle der folgenden 4 Bedingungen erfüllt sein.

  1. Langfristigkeit des überlassenen Kapitals
    Die Kreditsumme wird in den meisten Fällen 5 bis 10 Jahre lang zur Verfügung gestellt.
  2. Verlustmöglichkeit in voller Höhe
    Der Kapitalgeber unterliegt keiner Haftungsbegrenzung. Damit besteht die Möglichkeit, dass dieser seine gesamte Investition verliert.
  3. Nachrangigkeit bei Insolvenz
    Im Fall einer Insolvenz werden Fremdkapitalgeber zuerst bedient und erst danach die Mezzanine-Kapitalgeber.
  4. Erfolgsabhängige Beteiligung
    Ein möglicher Gewinn für den Kapitalgeber wird nur bei Erfolg des Unternehmens ausgeschüttet. Erwirtschaftet das Unternehmen keinen Gewinn, erhält auch der Kreditgeber keine zusätzliche Zahlung. Es gibt demnach auch keine vorab festgelegten Zinsen.

Wird eine dieser Bedingungen nicht erfüllt, so wird das Mezzanine-Kapital als Fremdkapital eingestuft.

Ein Gesellschafterdarlehen in Form von Mezzanine-Kapital ist beispielsweise fremdkapitalähnlich, während eine stille Beteiligung als Eigenkapital gilt. Da es bisher wenige rechtliche Vorgaben für diese Art der Kredite gibt, ergibt sich viel Gestaltungsspielraum für individuelle Vereinbarungen.

Wann wird Mezzanine-Kapital eingesetzt und wer sind die Geldgeber?

Mezzanine-Kapital wird dann verwendet, wenn das Unternehmen nicht gewillt ist, Kontrolle abzugeben, indem es das Eigenkapital erhöht und gleichzeitig keinen herkömmlichen Kredit erhält. Es kann auch dann verwendet werden, wenn die Eigenkapitalquote aufgebessert werden muss, um weiteres Fremdkapital aufnehmen zu können.

Mezzanine-Kapital wird u.a. bei Immobilienprojekten, Unternehmensübernahmen und kapitalintensiven Projekten genutzt. Geldgeber können dabei Banken, spezielle Fonds und sogar Privatanleger sein. Aufgrund des hohen Risikos, das Kapitalgeber eingehen, ist der Markt eher klein und die Zinsen meist sehr hoch.

Was sind die Vor- und Nachteile von Mezzanine-Kapital?

Vorteile:

  • Steigerung der Kreditwürdigkeit
    Wird Mezzanine-Kapital als Eigenkapital eingestuft, so erhöht sich diese. Dadurch verbessert sich die Kreditwürdigkeit des Unternehmens.
  • Steuerliche und bilanzielle Vorteile
    Mezzanine-Kapital kann als Eigenkapital bilanziert werden und Zahlungen können steuerlich angesetzt werden.
  • Flexibler Gestaltungsspielraum
    Da es kaum rechtliche Vorgaben gibt, ist der Spielraum für individuelle Vereinbarungen sehr groß.

Nachteile:

  • Hohe Zinsen
    Aufgrund des erhöhten Risikos, das die Kapitalgeber tragen, sind Zinsen von bis zu 20% üblich.
  • Hohe Transaktionskosten
    Um Mezzanine-Kapital zu erhalten, müssen detaillierte Verträge ausgearbeitet werden. Dafür fallen beispielsweise Anwaltskosten an.
  • Wenige Anbieter
    Seit der Finanzkrise 2008 ist der Markt geschrumpft, da das Risiko für Kapitalgeber sehr hoch ist. Daher bleiben nur wenige Anbieter übrig.
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