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Die internationale Wirtschaft hängt an Kiew und Moskau

Der russische Angriff auf die Ukraine wird weitreichende weltpolitische Auswirkungen haben. Er hat die Sicherheitsarchitektur in Europa bereits jetzt grundlegend verändert. Die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur hängt vom Ausgang der aktuellen Krise ab.
BLICK AUS DER FRAUENKIRCHE
April 2022

 

Der russische Angriff auf die Ukraine wird weitreichende weltpolitische Auswirkungen haben. Er hat die Sicherheitsarchitektur in Europa bereits jetzt grundlegend verändert. Die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur hängt vom Ausgang der aktuellen Krise ab. Käme es zu einer baldigen Lösung und einem darauffolgenden Waffenstillstand, könnte das schlimmste Szenario wohl noch verhindert werden. Kommt es dagegen zu einer weiteren Eskalation der Kriegshandlungen und einer Ablehnung von Verhandlungen, ist ein dauerhafter Schaden für die Sicherheitslage in der Welt und für Russland selbst zu erwarten, dessen Präsident sich damit als „Persona non grata“ weiter aus der zivilisierten Weltgemeinschaft entfernt.

Schon mit den Auswirkungen der weltweiten Corona-Krise und den immer fragileren Lieferbeziehungen zeigten sich die Nachteile der jahrelang gepriesenen Globalisierung. Die starke Verteuerung von Rohstoffen führt zu hohen Herstellungskosten, die pandemiebedingten Werksschließungen sorgen für Lücken in der Zulieferindustrie. Unternehmen, die jahrelang vom globalen Outsourcing profitiert haben, erleiden nun

extreme Störungen in der Leistungserstellung. Länder wie die Ukraine oder andere Konfliktanrainer, erleben durch Abwanderung der mobilen und eher gut gebildeten Bevölkerungsschichten einen dauerhaften Schwund an Facharbeitskräften, was die lokalen Ökonomien auf Jahre hin schädigen wird. Ihre westlichen Partner können die kriegsbedingten Einschränkungen auf die Schnelle weder ausgleichen noch substituieren und erleiden so herbe Wachstumseinbrüche. Werksschließungen und Verkaufsstopps führen zusätzlich zu Umsatzrückgängen. In der Folge dürfte z.B. die europäische Automobilindustrie in 2022 krisenbedingte Rückgänge von 4 bis 8 % erleiden. Gesamtökonomisch rechnet der Sachverständigenrat der Bundesregierung nur noch mit einem Wachstum von 1,8 % nach Schätzungen sie sich zu Jahresanfang noch bei 3,5 % bis 4,0 % bewegt hatten. Sollte der Krieg andauern, ist hier mit weiteren Revisionen nach unten zu rechnen.

Nach einem historischen Anstieg der Inflationsrate um ganze 5 Prozentpunkte auf 7,5 % gegenüber Vorjahr, erwarten die Experten in der EU eine weiterhin deutlich höhere Geldentwertung von ca. 6,1 % in 2022. Preistreiber werden vor allem die gestiegenen Energie- und Nahrungsmittelpreise sein. Wegen der hohen Treibstoffkosten, werden Logistik-, Transport- und Reiseunternehmen deutliche Erhöhungen in den Kalkulationen vornehmen. Fernreisen und Kreuzfahrten dürften sich so zwischen 15 und 25 % verteuern. Seit Kriegsbeginn haben sich beispielsweise Flüge um ca. 30 Prozent verteuert. In der Folge dürfte der normale Konsument mit einer höheren Sparrate und Konsumverzicht reagieren. Gerade der deutsche Bürger reagiert bei extremen Teuerungsschüben mit dem sogenannten „Angstsparen“. Deutschland ist stark von russischen Energielieferungen abhängig. „Ein Stopp dieser Lieferungen birgt das Risiko, dass die deutsche Volkswirtschaft in eine tiefere Rezession abrutscht und die Inflation noch stärker zunimmt“, sagte Monika Schnitzer (Mitglied des Sachverständigenrates).

Erwartungsgemäß hat die US-Zentralbank ihre Leitzinsen im März um 0,25 % erhöht und eine Projektion von 5 bis 6 weiteren Zinssteigerungen für 2022 angekündigt. Die Kapitalmärkte rechnen in ihren Terminkurven bis 2023 sogar mit einem Anziehen der FED-Rate auf bis zu 2,75 %. Aufgrund der aktuellen Lage glauben wir nicht an dieses Szenario und erwarten eine temporäre Aussetzung der Zinssteigerungen, um den Absturz der Volkswirtschaften nicht auch noch zu beschleunigen.

Sollte der Anti-Inflationskurs seitens der FED aber tatsächlich schon beschlossene Sache sein, so dürfte mit einer Zeitverzögerung von 6 bis 9 Monaten eine schwere Aktienbaisse einsetzen. Die Rüstungsausgaben werden kriegsbedingt weltweit dramatisch steigen. Deutschland wird gemäß NATO-Schulterschluss seinen Rüstungshaushalt um über die Hälfte von 1,2 % auf mindestens 2 % des Bruttoinlandsprodukts erhöhen. Das treibt die Staatsschulden ungebremst nach oben und wirkt zusätzlich zinssteigernd. Das Statistische Bundesamt teilte zudem mit, dass die deutschen Staatsschulden schon im vergangenen Jahr auf einen neuen Höchststand gestiegen sind. Nach zwei teuren Corona-Jahren hatten Bund, Länder, Gemeinden sowie Sozialversicherungen einschließlich aller Extrahaushalte 2,32 Billionen Euro Schulden aufgehäuft. Das sind 6,8 Prozent oder 146,9 Mrd. Euro mehr als Ende 2020. Sollten die Europäer den Import von russischer Energie stoppen oder Putin den Nachschub beenden, wird es wahrscheinlich binnen weniger Wochen zu einem weitgehenden Stillstand der deutschen und europäischen Industrie kommen, verbunden mit extremen Gewinnrückgängen und einem Einbruch bei den Steuereinnahmen. Während Öl zu erhöhten Preisen an den Weltmärkten zugekauft werden kann, wäre der Ausfall von russischem Gas nur durch verstärkten Import von Flüssiggas (LNG) zu ersetzen. Hier sind die Produktionskapazitäten aber voll ausgeschöpft, sie würden sich auch nur durch 4 bis 5 Jahre Investitionen erweitert werden können.

Angesichts weltweiter Teuerungstendenzen und schwächelnder Weltkonjunktur bleibt der langfristige Anstieg der Kapitalmarktzinsen erst mal begrenzt. Nach Indexierung der aktuell hohen Energie- und Nahrungsmittelkosten dürfte sich die Inflation gegen Herbst wieder auf niedrigere Niveaus zurückbilden. Banken werden jedoch ihre höheren Refinanzierungskosten in das Kundenkreditgeschäft überrollen. Seit 3 Monaten hat sich der 10-jährige Hypothekenzins so um rund 100 Basispunkte verteuert. Dieser Anstieg könnte u.E. in der Spitze bis auf 2,75 % hinauslaufen (aktuell rund 2,05 %).

 FAZIT AUS DER LÖWENGRUBE

Die Weltwirtschaft gerät durch eine Vielzahl negativer, externer Einflüsse langsam aus dem Tritt. Der dringende öffentliche Investitionsbedarf hat sich durch die unterbrochenen Lieferketten verstärkt. Viele Unternehmer wollen und müssen ihren Digitalisierungsgrad vorantreiben und ihre Standortwahl für Zulieferungen überdenken. Dies geschieht nun in einem stark anziehenden Inflations- und Zinsumfeld. Die Herausforderungen wachsen, denn der Zugang zu Kapital wird in nächster Zeit mit weniger staatlicher Hilfe vonstattengehen. Kreative Finanzierungslösungen sind gefragt.

Aus jahrelanger Erfahrung wissen wir: Das Umfeld wird rauer und unkalkulierbarer. Eine Standard-Finanzierung gibt es schon lange nicht mehr. Jede Unternehmenssituation muss individuell betrachtet und bewertet werden. Deshalb bieten wir Ihnen eine zielgenaue Beratung im Bereich Kredit- oder Eigenkapitalfinanzierung. Gemeinsam finden wir für Ihre Ideen das passende und optimale Finanzierungskonzept.

Finanzierung.com/AWL/01.04.2022

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