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Finetrading: Keine Produktionsunterbrechungen trotz Lieferstörungen

Finetrading

Die Corona-Krise und die internationalen Handelskonflikte führen zu vermehrten Störungen in den Lieferketten. Um Produktionsunterbrechungen zu vermeiden, sind viele Unternehmen zu einem Ausbau ihrer Lagerhaltung gezwungen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Erhöhung der Lagerbestände finanzieren, ohne dass Ihre Liquidität unter Druck gerät.

Die Blockade des Suez-Kanals durch das Containerschiff „Ever Given“ verursachte einen Schaden von 400 Millionen US-Dollar. Pro Stunde, wohlgemerkt! Dieses Beispiel zeigt: Selbst ein vergleichsweise harmloses Ereignis wie ein auf Grund gelaufenes Schiff kann enorme Auswirkungen auf internationale Lieferketten und auf die Güter- und Rohstoffmärkte haben. Die Verletzlichkeit internationaler Supply Chains ist spätestens seit Ausbruch der Covid-Pandemie ins öffentliche Bewusstsein gerückt. In einer Studie des IT-Dienstleisters Orange Business Services gaben 39 Prozent der befragten Unternehmen an, 2020 unter signifikanten Unterbrechungen ihrer Lieferketten gelitten zu haben.

Knappe Mikrochips und Lieferverzögerungen in der Seefracht

Derzeit kämpft vor allem die Autoindustrie mit Versorgungslücken. Ihr fehlen die Mikrochips, die wegen des pandemiebedingten Nachfragebooms bei Computern und Elektronikgeräten und der stockenden Siliziumproduktion in China Mangelware sind. Bei Audi liefen deswegen im ersten Quartal des laufenden Jahres 10.000 Fahrzeuge weniger vom Band als geplant. Experten befürchten, dass die weltweite Autoproduktion 2021 wegen der angespannten Lage am Halbleitermarkt um bis zu vier Millionen Fahrzeuge einbrechen wird.

Probleme gibt es auch bei der Seefracht aus Fernost. Die Corona-Krise befeuert den internationalen Online-Handel, was zu Knappheit bei den Container-Kapazitäten führt. Innerhalb eines Jahres haben sich die Frachtkosten mehr als verdreifacht. Heute kostet das Verschiffen eines 20-Fuß-Containers von China nach Europa rund 4.000 US-Dollar. Da sich die Schiffe in den Zielhäfen stauen, ist zudem mit erheblichen Lieferverzögerungen zu rechnen.

Finetrading: Vorschuss auf Wareneinkäufe

Solche Schwierigkeiten zwingen mittelständische Unternehmen dazu, ihre Lieferketten zu überdenken. Um künftige Lieferstörungen zu vermeiden, macht es je nach Situation Sinn, ein Insourcing oder Reshoring zu prüfen. Kurzfristig müssen Betriebe, die mit gestörten Lieferketten kämpfen, aber vor allem ihre Lagerhaltung ausbauen. Dies ist leichter gesagt als getan, zumal viele KMU zurzeit unter Umsatzverlusten, sinkenden Margen und Liquiditätsproblemen leiden. Gefragt sind deshalb Finanzierungslösungen, die die Erhöhung des Lagerbestands ermöglichen, ohne die Liquiditätskennzahlen weiter zu verschlechtern.

Eine solche Finanzierungslösung ist das Finetrading. In den Ohren manch eines Mittelständlers klingt der Begriff „Finetrading“ – eine Wortverbindung aus „Finance“ und „Trading“ – vielleicht nach einem komplexen Finanzierungsinstrument aus der Welt der Hochfinanz. Doch im Grunde genommen handelt es sich schlicht um einen Vorschuss auf Wareneinkäufe.

So funktioniert Finetrading

Das Finetrading läuft folgendermaßen ab:

  1. Der Finanzierungsnehmer vereinbart mit dem Finanzierer, dem sogenannten Finetrader, einen Rahmenvertrag, der unter anderem die Höhe der Einkaufslinie regelt. Diese richtet sich nach der Bonität des Finanzierungsnehmers und kann – wie das Kreditlimit eines Kontokorrentkredits – mehrmals pro Jahr in Anspruch genommen werden.
  2. Der Finanzierungsnehmer verhandelt den Wareneinkauf mit seinem Lieferanten.
  3. Der Finetrader bestellt im Auftrag seines Kunden beim Lieferanten die gewünschten Waren.
  4. Der Lieferant liefert die Waren direkt an die Adresse des Finanzierungsnehmers und schickt die Rechnung an den Finetrader. Das Eigentum an den Waren geht auf den Finetrader über.
  5. Der Finetrader begleicht die Rechnung des Lieferanten innerhalb der Skontofrist und stellt dem Finanzierungsnehmer eine Rechnung mit einem typischerweise auf 120 Tage verlängerten Zahlungsziel.
  6. Der Finanzierungsnehmer zahlt die Rechnung des Finetraders innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels und wird dadurch zum Eigentümer der gekauften Waren.

Zum günstigsten Zeitpunkt kaufen

Der Hauptvorteil des Finetradings besteht darin, dass der Finanzierungsnehmer die Bezahlung der eingekauften Waren so lange aufschieben kann, bis er die erforderliche Liquidität beisammen hat. Beispielsweise erlaubt ihm das verlängerte Zahlungsziel, mit der Begleichung des Kaufpreises für Halbfabrikate oder Rohstoffe zu warten, bis er das Endprodukt abgesetzt hat.

Lange Zahlungsziele verschaffen dem Käufer außerdem mehr Flexibilität bei der Wahl des Kaufzeitpunktes. Wichtig ist die Wahl des richtigen Kaufzeitpunktes in erster Linie bei Gütern, die hohen Preisschwankungen unterliegen, etwa bei saisonalen Produkten oder Rohstoffen. Im Moment sind die Rohstoffpreise besonders hoch. So ist der Ölpreis mittlerweile auf das Vierfache seines Tiefstwertes zu Beginn der Corona-Krise gestiegen. Auch die Preise von Industriemetallen wie Stahl, Aluminium oder Kupfer verzeichneten in den letzten Monaten ein kräftiges Wachstum. Wer es sich aufgrund einer Warenfinanzierung leisten konnte, Rohstoffe während der ersten Corona-Welle günstig einzukaufen, hat somit heute einen erheblichen Konkurrenzvorteil.

Innerhalb der ersten 30 Tage kostenlos

Trotz seiner unbestreitbaren Vorzüge ist das Finetrading keineswegs teuer. Denn der Finetrader erwirkt durch die schnelle Bezahlung der Lieferanten Skontoerträge, die er seinem Kunden weitergibt. Begleicht der Finanzierungsnehmer seine Rechnung innerhalb der ersten 30 Tage, fallen oft gar keine Kosten an. Danach bewegen sich die Kosten in einer Höhe von 1,5 bis 3 Prozent der finanzierten Kaufpreissumme. Finetrading ist also meist günstiger als die Finanzierung des Wareneinkaufs aus dem Betriebsmittelkredit. Das gilt allerdings nur, solange das vereinbarte Zahlungsziel nicht überschritten wird. Weiß ein Unternehmer, dass es schwierig wird, die Zahlungsfrist einzuhalten, ist ein langfristiges Darlehen oder der Betriebsmittelkredit in der Regel die bessere Wahl.

Auf jeden Fall lohnt es sich, vor Abschluss eines Finetrading-Vertrags verschiedene Finanzierungsangebote zu prüfen. Wir von Finanzierung.com unterstützen Sie dabei. Unser Finanzierungsvergleich ist kostenlos und unverbindlich. Dank unserer Zusammenarbeit mit mehreren Hundert Finanzierungspartnern sind wir auch in der Lage, maßgeschneiderte Kombinationen unterschiedlicher Finanzierungsvarianten zu vermitteln. Gerne helfen wir Ihnen, die Effizienz Ihrer Waren- und Lagerfinanzierung zu verbessern, sodass Sie künftigen Lieferstörungen mit Gelassenheit entgegensehen können.