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Spätestens seit letztem Jahr sind die drei Buchstaben in aller Munde: ICO, kurz für Initial Coin Offering. Doch was verbirgt sich dahinter? Handelt es sich um die Finanzierungsform der Zukunft oder bloß um einen kurzfristigen Hype? Und wo liegen die Chancen und Risiken des virtuellen Börsengangs?

Die Zahlen sind eindrücklich: Letztes Jahr kamen bei Initial Coin Offerings 5,6 Milliarden US-Dollar zusammen. Dieses Jahr zog allein das Blockchain-Startup Block.one beim bisher größten ICO 4,2 Milliarden Dollar an Land. Zum Vergleich: Der weltweit größte Börsengang im Jahr 2017, der IPO des amerikanischen Instant-Messaging-Dienstes Snap, generierte „nur“ 3,4 Milliarden Dollar. Dabei sind Initial Coin Offerings noch ein sehr junges Phänomen: Der erste fand 2013 statt. Und erst letzten Oktober wagte mit Wysker das erste deutsche Unternehmen einen virtuellen Börsengang.

Token: Wertpapier oder Gutschein?

Was steckt also hinter dieser neuen Finanzierungsvariante, mit der sich – wie es scheint – immer größere Summen auftreiben lassen? Initial Coin Offerings, auch Token Sales genannt, sind eine Form der Crowdfinanzierung. Ein Unternehmen verkauft dem Publikum neu geschaffene Tokens und erhält dafür Geld – meist in Form von etablierten Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether. Ein Token ist ein digitaler Vermögenswert, der in einer Blockchain (überwiegend in der Ethereum-Blockchain) gespeichert wird. Grob gesagt existieren zwei Arten von Tokens: Security Tokens und Utility Tokens.

Security Tokens

Ein Security Token ist eine Art digitales Wertpapier. Er verkörpert ein Recht auf einen Gewinnanteil oder eine Zinszahlung. Ist er als Smart Contract implementiert, können die entsprechenden Zahlungen automatisiert in einer Kryptowährung erfolgen. Hat der Security Token eigenkapitalähnlichen Charakter, spricht man von einem Equity Token. Analog zu einer Aktie stellt der Equity Token einen Unternehmensanteil dar und gewährt dem Inhaber je nach Ausgestaltung Partizipationsrechte wie ein Stimmrecht.

Utility Tokens

Utility Tokens lassen sich eher mit einem Gutschein vergleichen. Sie dienen als Zahlungsmittel, mit dem der Inhaber Leistungen des Herausgebers beziehen kann. Beispielsweise soll sich die Kryptowährung Filecoin künftig dazu nutzen lassen, Daten auf dem gleichnamigen Cloud-Speicher des kalifornischen Blockchain-Startups Protocol Labs zu kaufen. Momentan sind die meisten Tokens, die im Rahmen eines ICO ausgegeben werden, Utility Tokens.

Keine Umgehung der Prospektpflicht

Hinter der Blockchain-Technologie steht die libertäre Vision, dass Verträge zu ihrer Umsetzung keine Drittparteien wie staatliche Institutionen oder Banken benötigen. Ganz so einfach lässt sich Vater Staat indes nicht ausbooten. Zwar ist das Phänomen ICO zu neu, als dass bereits spezifische Gesetzesbestimmungen bestünden. Wer allerdings meint, virtuelle Börsengänge seien unreguliert, macht die Rechnung ohne die BaFin. Die Finanzaufsichtsbehörde hat im Februar mit einem Hinweisschreiben klargestellt, dass sie in jedem Einzelfall prüft, ob sich bestehendes Recht auf einen Token Sale anwenden lässt.

Einschränkungen durch die BaFin

Stuft die BaFin einen Token als Finanzinstrument oder Wertpapier ein, was insbesondere bei Security Tokens regelmäßig der Fall sein dürfte, trifft den Emittenten die Prospektpflicht. Erkennt die BaFin in der Ausgabe neuer Tokens ein Bankgeschäft oder eine Finanzdienstleistung, untersteht der ICO überdies der Erlaubnispflicht. Auch die Zusammenarbeit mit einer Kryptobörse, die die Tokens in gesetzliche Währung umtauscht, ist erlaubnispflichtig. Und nicht zuletzt haben Token-Emittenten die geltenden Geldwäsche- und KYC-Bestimmungen zu beachten. Unternehmen, die einen Token Sale planen, tun daher gut daran, sich frühzeitig mit der BaFin in Verbindung zu setzen.

ICO – Finanzierungsinstrument mit Potenzial

Weshalb sollte sich ein Unternehmen jedoch überhaupt auf diese Finanzierungsform einlassen? Das Offensichtliche zuerst: Die Emission eines eigenen Utility Tokens eignet sich besonders für Firmen, die ihren Kunden damit den Zugang zu einer Blockchain-basierten Dienstleistung anbieten wollen. Aber auch Nicht-Blockchain-Unternehmen können von einem Token Sale profitieren.

Denn er ermöglicht ihnen, direkt, das heißt ohne Vermittlung von Banken, Börsen und anderen Dienstleistern, mit ihren Anlegern in Kontakt zu treten. Deshalb sind die Emissionskosten tiefer als bei einem Börsengang, einem Bankkredit oder einer klassischen Crowdfinanzierung. Durch Smart Contracts lassen sich die Vertragsbeziehungen zwischen Emittent und Investoren zudem effizient gestalten. Darüber hinaus garantiert der ICO eine hohe mediale Beachtung, die das kapitalsuchende Unternehmen in Werbung für sein Angebot ummünzen kann. Mit dem Token Sale spricht es ein junges technikaffines Publikum an, das mit traditionellen Finanzierungsvarianten nicht zu erreichen wäre. Handelt es sich dabei um die Zielgruppe des Produktangebots, hilft der Initial Coin Offering, die Kundenbindung zu stärken.

Noch erschwert die unklare Rechtslage in Deutschland die Durchführung eines virtuellen Börsengangs. Doch ICOs sind mehr als ein kurzfristiger Hype. Vor allem bei der Finanzierung von Tech-Startups und Blockchain-Projekten besteht ein großes Potenzial.

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