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Innovative Finanzierungslösungen für die Landwirtschaft: Mit Sale-and-Lease-back gegen das Höfesterben

Innovative Finanzierungslösungen für die Landwirtschaft
Die finanziellen Reserven in der Agrarbranche sind knapp. Da sich die Banken mit Krediten an Landwirtschaftsunternehmen immer mehr zurückhalten, sind Bauern heute zunehmend auf innovative Finanzierungslösungen angewiesen. Eine davon – das Sale-and-Lease-back – stellen wir Ihnen im folgenden Beitrag vor.

Die Landwirtschaft ist ein hartes Geschäft. Immer wieder sorgen schwierige Wetterbedingungen und Preisschwankungen für empfindliche Ertragsausfälle. Gleichzeitig nimmt der Konkurrenzdruck zu und die Gewinnmargen sinken. Vor allem bei kleinen und mittleren Höfen kommt es deshalb nicht selten zu Liquiditätsengpässen. Wegen der angespannten Finanzlage ist es für kleinere Agrarbetriebe zudem schwierig, in die Erhöhung ihrer Rentabilität zu investieren. Dies führt zu einem Teufelskreis, an dessen Ende für viele Bauern die Betriebsaufgabe steht.

Genügend Kapital vorhanden

Doch soweit muss es nicht kommen. Denn die meisten Bauernhöfe hätten eigentlich genügend Kapital, um kurzfristige Engpässe zu überbrücken oder Investitionen zu tätigen. Das Kapital ist allerdings im Boden, den Betriebsimmobilien und im Maschinenpark gebunden. Ein Verkauf würde das zukünftige Ertragspotenzial schwächen und ist mithin keine Option. Was hingegen infrage kommt, ist ein Sale-and-Lease-back. Beim Sale-and-Lease-back findet zwar auch ein Verkauf statt. Der Landwirt least oder pachtet das verkaufte Objekt jedoch sogleich wieder zurück, sodass es ihm weiterhin zur Verfügung steht.

Große Verbreitung genießt diese Finanzierungsform im verarbeitenden Gewerbe. In der Agrarbranche ist sie noch relativ neu. Namentlich bei den Landwirtschaftsbetrieben in den neuen Bundesländern gewinnt das Sale-and-Lease-back indes zunehmend an Bedeutung. Verkauft und zurückgepachtet werden in erster Linie Acker-, Weide- und Forstflächen. Sale-and-Lease-back eignet sich aber auch für Landmaschinen, Anlagen und Fahrzeuge, zum Beispiel für:

  • Traktoren
  • Mähdrescher
  • Vollernter
  • Photovoltaikanlagen
  • Lkws, Liefer- und Personenwagen

Wie läuft ein Sale-and-Lease-back ab?

Der typische Ablauf eines Sale-and-Lease-backs sieht folgendermaßen aus: Der Landwirt kontaktiert den Finanzierungsgeber. Dieser erstellt anhand der erhaltenen Unterlagen zum Leasingobjekt ein indikatives Finanzierungsangebot. Ist der Bauer interessiert, kommt ein Gutachter auf den Hof, der den fraglichen Gegenstand oder das Grundstück bewertet. Aufgrund des Schätzgutachtens vereinbaren die Verhandlungspartner einen Verkaufspreis. Zusätzlich einigen sie sich auf die Leasingbedingungen. Dazu gehören die monatlichen Leasingraten, die Höhe einer eventuellen Leasingsonderzahlung, die Dauer der Laufzeit und – sofern gewünscht – eine Rückkaufoption. Nach Vertragsschluss geht das Eigentum am Leasinggegenstand auf den Finanzierungsgeber über. Der Besitz verbleibt beim Landwirt oder dessen Betrieb.

Zwischen der Vertragsanfrage durch den Landwirt und der Eigentumsübertragung beziehungsweise der Auszahlung des Geldes vergehen oft weniger als zwei Monate. Dass sich das Sale-and-Lease-back so schnell abwickeln lässt, liegt daran, dass keine aufwendige Bonitätsprüfung notwendig ist. Denn bei dieser Finanzierungsvariante steht nicht die Kreditwürdigkeit des Finanzierungswilligen im Vordergrund, sondern die Werthaltigkeit des Leasingobjekts. Dementsprechend muss der Finanzierungsnehmer weniger Unterlagen einreichen als für einen Kreditantrag. Damit spart er sich nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch Kosten für Experten wie Steuerberater oder Buchhalter.

Sale-and-Lease-back als Rettungsanker

Die vergleichsweise geringe Bonitätsabhängigkeit macht Sale-and-Lease-back nicht zuletzt zu einem Rettungsanker für Betriebe, die keine Bankkredite mehr erhalten oder die wegen eines akuten Liquiditätsengpasses auf schnelle Auszahlung angewiesen sind. Die Hauptursachen von Liquiditätsengpässen in der Landwirtschaft sind:

  • Tierseuchen
  • Schädlingsbefall
  • Trockenperioden
  • Unwetterereignisse
  • Preisschwankungen
  • unerwartete Steuernachforderungen
  • Rechtsstreitigkeiten mit Abnehmern

Im Gegensatz zu einer Bankfinanzierung ist ein Sale-and-Lease-back selbst dann noch möglich, wenn ein Insolvenzverfahren über den Hof eröffnet wurde. Sicherheiten sind nicht erforderlich. Darüber hinaus besteht bezüglich des Verkaufserlöses keinerlei Zweckbindung. Der Landwirt ist dem Leasinggeber über die Verwendung des Geldes keine Rechenschaft schuldig.

Vielseitig verwendbar

Ein häufiger Verwendungszweck ist – wie erwähnt – die Überwindung von Liquiditätsengpässen. Das Geld aus dem Verkauf des Leasingguts lässt sich aber auch für die Rückzahlung bestehender Verbindlichkeiten verwenden. Durch den Schuldenabbau erhöht sich die Eigenkapitalquote, was zu einem besseren Finanzrating führt. Mit einem höheren Rating fällt es leichter, neue Kredite aufzunehmen oder teure Kontokorrentkredite in günstigere Ratenkredite umzuschulden.

Ein weiterer Verwendungszweck für die aus dem Sale-and-Lease-back gewonnene Liquidität sind Investitionen – beispielsweise in den Kauf von zusätzlichen Acker- oder Weideflächen. Ein Flächenzuwachs erhöht die Wettbewerbsfähigkeit, zumal größere Höfe höhere Skalenerträge erwirtschaften. Nützlich ist ein Sale-and-Lease-back überdies bei der Erbschaft eines Familienbetriebs: Der Erbe, der den Hof übernimmt, kann mit dem Ertrag aus dem Verkauf des Leasingguts seine Miterben auszahlen.

Vor- und Nachteile von Sale-and-Lease-back

Vorteile Nachteile
  • schnell umsetzbar
  • bonitätsunabhängig
  • keine Zweckbindung
  • keine Sicherheiten erforderlich
  • Auflösung stiller Reserven
  • Leasing-/Pachtkosten steuerlich absetzbar
  • höhere Kosten als Darlehen
  • Veräußerungsgewinn steuerpflichtig

Stille Reserven auflösen

Lange interessierten sich Investoren außerhalb der Agrarbranche kaum für Landwirtschaftsland. Angesichts der tiefen Zinsen hat sich die Situation indessen grundlegend verändert. Die Bodenpreise verzeichneten während der letzten Jahre einen sprunghaften Anstieg. Für Landwirte bedeutet dies, dass sie durch Verkauf und Rückpacht in erheblichem Maße stille Reserven realisieren können. Stille Reserven lassen sich auch durch ein Sale-and-Lease-back bereits abgeschriebener Maschinen auflösen.

Zu beachten ist allerdings, dass der Gewinn, der durch die Aufdeckung stiller Reserven entsteht, der Steuerpflicht unterliegt. Besteht die Absicht, den Veräußerungsgewinn für Investitionen zu verwenden, lohnt es sich daher, eine 6b-Rücklage zu bilden. Dadurch fällt die Gewinnsteuer weg. Allerdings vermindern sich mit der Übertragung der Rücklage auf die neu erworbenen Investitionsgüter die zulässigen Abschreibungen. Die Leasingraten für das Objekt, das im Rahmen des Sale-and-Lease-backs zurückgeleast wird, lassen sich übrigens vollständig als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen. Das heißt, anders als bei einem Darlehen sind nicht nur die Zinskosten, sondern auch der in den monatlichen Raten enthaltene Tilgungsanteil absetzbar.

Finanzierung.com bietet Ihnen Beratung

Sale-and-Lease-back hilft Landwirten, Wachstumsinvestitionen zu tätigen, Liquiditätsengpässe zu überwinden oder eine Insolvenz abzuwenden. Gleichwohl ist diese innovative und vielseitig einsetzbare Finanzierungsvariante in der Agrarbranche noch wenig bekannt. Aus diesem Grund bietet Ihnen Finanzierung.com eine umfassende Beratung. Unsere Experten erarbeiten mit Ihnen zusammen ein auf Ihre Bedürfnisse maßgeschneidertes Finanzierungspaket und suchen die passenden Investoren. Neben Sale-and-Lease-back vermitteln wir Ihnen auch andere innovative Finanzierungslösungen wie Leasing, Factoring, Finetrading oder Fördergelder sowie klassische Kredite.

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