Klimawandel - Folgen für Unternehmen
Niklas Zolper Keine Kommentare
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Der Klimawandel stellt die Wirtschaft vor große Herausforderungen. Zum Schutz vor witterungsbedingten Schäden und Produktionsausfällen sind erhebliche Investitionen notwendig. Die Maßnahmen, mit denen die Politik die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad beschränken will, gehen ebenfalls ins Geld. Gleichzeitig bieten grüne Technologien den Unternehmen neue Absatzchancen.

Schön war es – und warm. Das Jahr 2018 war in Deutschland das wärmste Jahr seit Messbeginn. Die Mitteltemperatur lag 2,3 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Doch das vergangene Jahr war keine Ausnahme. Acht der neun wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung liegen in diesem Jahrhundert. Weltweit waren die vier letzten Jahre die wärmsten seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Damit ist klar: Die Erderwärmung nimmt weiter zu. Diese Erkenntnis beschäftigt auch die Wirtschaft.

Problematische Folgen der Klimakrise

Bereits vor acht Jahren gaben im Zukunftspanel des Instituts der deutschen Wirtschaft 15 Prozent der befragten Unternehmen an, vom Klimawandel direkt betroffen zu sein. Vor allem Firmen aus den Bereichen Logistik, Energie und Ernährung klagten über einen negativen Effekt auf ihren Geschäftsverlauf.

Die problematischen Folgen der Klimakrise werden noch zunehmen. Die höheren Temperaturen führen zu mehr Wetterextremen wie schweren Stürmen, Starkniederschlägen oder Dürreperioden. Der Meeresspiegel könnte nach neuesten Erkenntnissen bis zum Ende des Jahrhunderts um ganze 1,3 Meter ansteigen. Außerdem fördert der Temperaturanstieg die Verbreitung von Krankheiten, die bisher ausschließlich in tropischen Gefilden heimisch waren. Die Wirtschaft muss sich deshalb auf Schwierigkeiten wie größere Schäden an der Infrastruktur, Ernteausfälle oder zunehmende Krankheitstage einstellen. Experten rechnen bis 2050 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,1 bis 0,6 Prozent. Deutschland ginge damit jährlich eine Wirtschaftsleistung von bis zu 20 Milliarden Euro verloren.

Einbußen im Außenhandel

Dazu kommen Einbußen im Außenhandel. Gemäß einer Studie des Umweltbundesamtes wickeln wir sechs Prozent aller Importe (55 Milliarden Euro) und vier Prozent aller Exporte (50 Milliarden Euro) mit den zwölf Ländern ab, die am sensibelsten auf den Klimawandel reagieren. Darunter befinden sich Brasilien, Indien und Südafrika sowie weitere asiatische und afrikanische Länder. Aber auch Spanien und Italien macht der Klimawandel schwer zu schaffen. Das Umweltbundesamt erwartet, dass die Exporte in die betroffenen Staaten zurückgehen, da wegen der Klimakosten weniger Geld für den Kauf deutscher Produkte zur Verfügung stehen wird.

Auch bei den Einfuhren ist mit Problemen zu rechnen. So haben Schäden an Produktionsanlagen, Warenlagern oder Verkehrssystemen Lieferverzögerungen zur Folge. Ernteausfälle können die weltweite Verfügbarkeit landwirtschaftlicher Rohstoffe wie Soja oder Kaffeebohnen beeinträchtigen. In einer stark vernetzten Volkswirtschaft wie der deutschen, die zunehmend auf globale Lieferketten angewiesen ist, führen Produktions- und Lieferengpässe in Partnerländern schnell zu erheblichen Ausfällen.

Ambitionierte Klimaziele

Angesichts der Kosten des Klimawandels ist die Politik nicht tatenlos geblieben. Gestützt auf europäische und internationale Vereinbarungen, die den globalen Temperaturanstieg auf weniger als zwei Grad beschränken wollen, hat die Bundesregierung ehrgeizige Klimaziele formuliert. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen gegenüber dem Stand von 1990 um 55 Prozent sinken und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent.

Dass sich die Klimaziele nicht gratis erreichen lassen, versteht sich von selbst. In seiner Studie „Klimapfade für Deutschland“ schätzt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) den Investitionsbedarf der heimischen Wirtschaft auf 1,5 bis 2,3 Billionen Euro. Dies entspricht nach Abzug der Energieeinsparungen einem jährlichen Betrag von 15 bis 30 Milliarden Euro. Der BDI geht davon aus, dass sich eine 80-prozentige Reduktion der Klimagase ohne Einbruch der Wirtschaftsleistung durch eine Intensivierung bestehender Maßnahmen erreichen lässt. Allerdings brauche es Schutzvorkehrungen, damit es in gefährdeten Industrien nicht zu Verlusten komme.

Sollte sich die Regierung dereinst für das Reduktionsziel von 95 Prozent entscheiden, ist die BDI-Studie skeptischer. In diesem Fall müsste die Bundesrepublik auf sämtliche fossilen Brennstoffe verzichten und auf Technologien zur CO2-Speicherung setzen. Die Studienautoren sind der Meinung, dass ein derart ambitionierter Ansatz für die deutsche Volkswirtschaft nur verkraftbar ist, wenn andere wichtige Staaten mitziehen.

Neue Absatzchancen

Es wäre indes falsch, den Klimawandel bloß unter dem Aspekt von Kosten und Risiken zu betrachten. Die Investitionen von 1,5 bis 2,3 Billionen Euro, die zur Erreichung der Klimaziele notwendig sind, eröffnen innovativen Unternehmen neue Absatzmöglichkeiten im Inland. Sie helfen der deutschen Industrie zugleich, ihre Kompetenz im Bereich der grünen Technologien auszubauen und damit ihre Exportchancen zu steigern. In seiner Studie verweist der BDI auf Untersuchungen, die dem weltweiten Markt für Klimaschutztechnologien bis 2030 ein jährliches Potenzial von ein bis zwei Billionen Euro attestieren.

Die Auswirkungen des Klimawandels und die politischen Maßnahmen zu dessen Bekämpfung fordern von der deutschen Wirtschaft einiges an Investitionen. Gleichzeitig bietet die Umstellung auf klimaverträglichere Technologien Chancen. Um sie zu nutzen, müssen die Unternehmen ebenfalls kräftig investieren. Seit der Finanzkrise und den neuen Eigenmittelvorschriften nach Basel III sind die Banken jedoch deutlich zurückhaltender bei der Kreditvergabe. Gerade für KMU ist es oft nicht einfach, Investitionskredite zu erhalten. Daher lohnt es sich, zusätzlich auf alternative Finanzierungsoptionen wie FörderkrediteFactoringLeasing oder Warenfinanzierung zu setzen. Denn ein Investitionsverzicht käme den Mittelstand teuer zu stehen.

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