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Schnelles Zahlen lohnt sich

Schnelles Zahlen lohnt sich

Viele Unternehmen reizen die Zahlungsziele ihrer Zulieferer aus. Der Lieferantenkredit gehört jedoch zu den teuersten Finanzierungsvarianten überhaupt. Lesen Sie hier, weshalb dies so ist und welche Alternativen Sie haben.

Lieferanten- und Händlerkredite sind beliebt. Sie erfordern keine umständliche Beantragung, sind sofort verfügbar und als Sicherheit dienen (sofern der Verkäufer einen Eigentumsvorbehalt macht) ausschließlich die gelieferten Waren. Entsprechend häufig werden Kredite aus Lieferungen und Leistungen in Anspruch genommen. Ihr Anteil an der Bilanzsumme des Durchschnittsunternehmens ist mit sechs Prozent mehr als doppelt so hoch wie der Anteil der kurzfristigen Bankverbindlichkeiten.

Lieferantenkredit ist kein Nullzinsdarlehen

Doch Vorsicht: Obwohl ein Zahlungsziel von 30 bis 60 Tagen bei oberflächlicher Betrachtung wie ein attraktiver Nullzinskredit aussieht, handelt es sich um eine extrem teure Finanzierungsvariante. Durch die Nichtnutzung des Skontos entsteht nämlich ein impliziter Zins in Höhe des Skontosatzes. Der Skontosatz für eine Zahlung innerhalb von 5 bis 14 Tagen liegt üblicherweise zwischen zwei und drei Prozent.

Für einen kurzfristigen Kredit scheint dies auf den ersten Blick ein moderater Betrag zu sein. Bloß: Die zwei bis drei Prozent sind kein Jahreszinssatz. Der effektive Jahreszinssatz ergibt sich aus folgender Berechnungsformel:

Effektiver Jahreszinssatz =      Skontosatz × 360     
Zahlungsziel − Skontofrist

Bei einem Skontosatz von zwei Prozent, einem Zahlungsziel von 30 Tagen und einer Skontofrist von zehn Tagen liegt der Jahreszinssatz bei 36 Prozent. Damit ist das Ende der Fahnenstange allerdings noch lange nicht erreicht. Liegt der Skontosatz zum Beispiel bei drei Prozent und die Skontofrist bei 14 Tagen, beträgt der Jahreszinssatz unter Annahme eines Zahlungsziels von 30 Tagen sagenhafte 67,5 Prozent. Zu solchen Bedingungen würde kein vernünftiger Unternehmer einen Bankkredit abschließen.

Skontonutzung schafft Win-win-Situation

Selbstverständlich ist der Fall nicht immer so klar. Manche Lieferanten oder Dienstleister erlauben ihren Kunden nicht, den gesamten Rechnungsbetrag zu skontieren. Handwerksbetriebe beschränken den Skontoabzug beispielsweise oft auf den Materialkostenanteil und schließen die Skontierung der Personalkosten aus. Der Skontoabzug ist sodann nur zulässig, wenn er vorher vereinbart wurde, das heißt, wenn er Bestandteil des Vertrags, der Lieferbedingungen oder eines Rechnungsvermerks ist. Einen erzwungenen Abzug kann der Händler oder Leistungserbringer zurückfordern.

Normalerweise haben Anbieter von Waren oder Dienstleistungen jedoch ein Interesse daran, ihren Kunden einen Abzug zu ermöglichen. Denn der schnelle Zahlungserhalt verbessert ihre Liquidität und der Minderertrag durch den Skontoabzug ist in der Preisgestaltung bereits berücksichtigt. Im Übrigen ist der Skontoabzug ein interessantes Marketinginstrument, zumal er im Gegensatz zu einem Rabatt nicht zur Abwertung des angebotenen Produktes führt. Nutzt der Kunde die Skontobedingungen zu seinen Gunsten, ist dies also durchaus im Sinne des Lieferanten.

Betriebsmittelkredit ist günstiger

Dass viele Unternehmen trotz der Vorteile für beide Seiten die angebotenen Skonti nicht nutzen, hat verschiedene Gründe. Kleineren Unternehmen ohne spezialisierte Finanzabteilung mangelt es oft am Bewusstsein für die versteckten Kosten des Lieferantenkredits. Fehlende organisatorische und personelle Ressourcen erschweren zudem die schnelle Zahlung. Selbst bei großen Unternehmen sind die Buchhaltungsprozesse nicht immer optimal organisiert. So entstand der Deutschen Bahn im Jahr 2017 wegen eines Rückstaus bei der Belegverarbeitung ein Skontoschaden von über 20 Millionen Euro.

Bei großen Rechnungsbeträgen ist das Verstreichenlassen der Skontofrist indessen meist auf mangelnde Liquidität zurückzuführen. Dem Debitor fehlt schlicht das Geld für eine schnelle Zahlung. In einer solchen Situation gilt es, genau nachzurechnen. Wie sich den oben gezeigten Rechenbeispielen entnehmen lässt, ist die sofortige Bezahlung der Rechnung aus dem Betriebsmittelkredit bei normalen Zahlungszielen in der Regel deutlich günstiger als der Lieferantenkredit. Reichen die vorhandenen Kredite und Darlehen nicht für regelmäßige Skontozahlungen, lohnt es sich, bestehende Kredite auszuweiten oder den Abschluss zusätzlicher Kreditverträge zu prüfen. Ein umfassender Kreditvergleich, der verschiedene Anbieter einbezieht, hilft dabei, die günstigsten Kreditkonditionen zu finden.

Alternative Finetrading

Für den Mittelstand ist es im derzeitigen Marktumfeld allerdings nicht einfach, zusätzliche Kredite zu erhalten. Außerdem beschränken die hohen Sicherheitsforderungen der Banken die Flexibilität bei künftigen Kreditverhandlungen. Davon abgesehen würde die einseitige Ablösung von Lieferantenkrediten durch Bankkredite die heute schon große Abhängigkeit mittelständischer Unternehmen vom Bankensektor weiter verschärfen. Deshalb ist es wichtig, auch alternative Finanzierungslösungen in Erwägung zu ziehen.

Eine Finanzierungsalternative, die sich bei Wareneinkäufen besonders anbietet, ist das Finetrading. Beim Finetrading wird der Einkauf über einen Finanzierer abgewickelt, der seinem Kunden die bestellten Waren als Zwischenhändler mit einem auf bis zu 180 Tage erhöhten Zahlungsziel weiterverkauft. Die Stundungsgebühr, der Zins für den gestundeten Rechnungsbetrag, beträgt je nach Bonität des Schuldners und Höhe der Einkaufslinie 0,8 bis 1,7 Prozent pro Monat. Häufig fällt die Stundungsgebühr erst ab dem zweiten Monat an. Auf das ganze Jahr gerechnet liegen die Kosten des Finetradings im Rahmen der Kosten eines Kontokorrentkredits, wie wir hier anhand eines konkreten Zahlenbeispiels zeigen.

Mehr Liquidität für Skontoabzüge dank Factoring

Eine weitere Finanzierungsvariante, die hilft, Lieferantenkredite zu vermeiden, ist das Factoring. Beim Factoring verwandelt ein Unternehmen seine offenen Forderungen sofort in flüssige Mittel, indem es sie an eine Factoringgesellschaft verkauft. Dadurch bleibt der Cashflow berechenbar – unabhängig davon, ob die Kunden pünktlich zahlen oder nicht. Selbst ein großer Zahlungsausfall hat keinen direkten Einfluss auf den Cashflow. Denn mit dem Forderungsverkauf geht das Delkredererisiko auf den Factoringanbieter über. Aus diesem Grund können Factoringnehmer ihren Liquiditätsverlauf besser planen und haben mehr frei verfügbare Mittel für Skontozahlungen. Hinsichtlich der Kosten ist das Factoring vergleichbar mit dem Finetrading.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Lieferantenkredit ist zwar bequem, aber extrem teuer und keineswegs alternativlos. Nutzen Sie die vorgestellten Alternativen und realisieren Sie Skonti! Damit ihnen nach Abzug der Finanzierungskosten möglichst viel vom Skontoertrag bleibt, findet Finanzierung.com für Sie die günstigsten Finanzierungsangebote. Wir freuen uns, Sie persönlich beraten zu dürfen. Unsere kompetente und umfassende Beratung ist für Sie vollkommen unverbindlich und kostenfrei.