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So vermeiden Sie einen Liquiditätsengpass

So vermeiden Sie einen Liquiditätsengpass
Die Corona-Krise und die aktuelle Rezession setzen mittelständischen Unternehmen zu. Vor allem bedrohen sie das Liquiditätspolster. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Liquiditätsengpässe vermeiden und was Sie tun können, wenn Ihre flüssigen Mittel knapp werden.

Die Liquiditätssituation im Mittelstand ist angespannt. Laut Corona-Sondererhebung zum KfW-Mittelstandspanel 2020 bezeichneten im September bloß 31 Prozent aller KMU ihre Liquiditätsreserven als „ausreichend“. Bei einem Viertel der Befragten würden die flüssigen Mittel ohne laufende Einnahmen maximal für zwei Monate reichen. 17 Prozent hätten schon nach ein bis vier Wochen einen Liquiditätsengpass. Das heißt, sie wären bereits nach wenigen Tagen nicht mehr in der Lage, ihren Zahlungspflichten nachzukommen.

Liquiditätsengpass: Vorsicht Teufelskreis

Ein Zahlungsverzug kann schwerwiegende Folgen haben. Lieferanten streichen Rabatte oder stellen auf Vorkasse um. Mit der Vorkassepflicht steigt die Anzahl der gleichzeitig zu bedienenden Verbindlichkeiten, was schnell zu einer Negativspirale führt: Der Schuldner gerät gegenüber weiteren Lieferanten in Verzug. Diese verlangen ebenfalls Vorauszahlung. Im schlimmsten Fall haben die Liquiditätsschwierigkeiten einen Lieferstopp zur Folge und der Schuldner muss seine Produktion unterbrechen.

Doch selbst wenn es nicht so weit kommt, gefährdet ein Zahlungsverzug das Kreditrating und treibt damit die Fremdkapitalkosten in die Höhe. Nicht selten verweigern die Banken säumigen Schuldnern die Aufnahme zusätzlicher Kredite oder sie stellen gar bestehende Kredite fällig. Auch der Aufbau neuer Kunden- und Lieferantenbeziehungen gestaltet sich bei verschlechterter Bonität schwieriger.

Ist genügend Liquidität vorhanden?

Um nie in einen solchen Teufelskreis zu geraten, benötigen Unternehmen ein sorgfältiges Cash Management, das darüber wacht, dass stets genügend Liquidität in der Kasse ist. Ob die liquiden Mittel ausreichen, bestimmt sich in erster Linie anhand folgender drei Kennzahlen:

  • Cash Ratio (Liquidität ersten Grades)

    Die Cash Ratio besagt, welchen Anteil der kurzfristigen Verbindlichkeiten ein Unternehmen aus seinen sofort verfügbaren Barmitteln bedienen kann. Zu den Barmitteln zählen primär Giroguthaben und Kassenbestände. Der Richtwert für die Cash Ratio liegt bei 10 bis 30 Prozent.

  • Quick Ratio (Liquidität zweiten Grades)

    Die Quick Ratio berücksichtigt als Vermögenspositionen, die sich zur Begleichung kurzfristiger Verbindlichkeiten eignen, neben den Barmitteln auch den Wertpapierbestand und die kurzfristigen Forderungen. Erwartet wird ein Wert von 100 Prozent. Das heißt, die Summe aus Bar- und Wertpapiervermögen sowie kurzfristigen Forderungen sollte genügen, um sämtliche kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen abzudecken.

  • Current Ratio (Liquidität dritten Grades)

    Die Current Ratio stellt den kurzfristigen Verbindlichkeiten das gesamte Umlaufvermögen inklusive Vorräte gegenüber. Während amerikanische Banken einen Wert von 200 Prozent erwarten, geben sich deutsche Finanzinstitute in der Regel mit einer Zielgröße von 120 Prozent zufrieden.

Hauptursachen für die Entstehung von Liquiditätsengpässen

Um zu verstehen, wie sich ein Liquiditätsengpass vermeiden lässt, ist es notwendig, die wichtigsten Ursachen zu kennen. Momentan ist es zweifellos die Corona-Krise, die der Liquiditätssituation im Mittelstand am meisten zusetzt. Die deutschen KMU erwarten für das Jahr 2020 einen dramatischen Umsatzeinbruch von 12 Prozent. Einige Branchen wie das Gastgewerbe und die Kultur- und Freizeitwirtschaft sind besonders schwer betroffen. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr sind sie mit einer Schließung konfrontiert und leiden daher unter massiven Einnahmeausfällen, derweil Fixkosten wie Miete oder Tilgungszahlungen weiterhin anfallen.

Ein weiteres Liquiditätsrisiko sind verspätete oder ausbleibende Zahlungen durch die Kunden. Derzeit steht es nicht gut um die Zahlungsmoral, wie das kürzlich erschienene Zahlungsbarometer des Kreditversicherers Atradius zeigt. 2020 nahmen die Zahlungsverzögerungen im Vergleich zum letzten Jahr um satte 65 Prozent zu. Mehr als jede zweite Rechnung im B2B-Bereich wird zu spät gezahlt.

Auch unerwartete Ausgaben wie Steuernachzahlungen, Bußen, Schadensersatzzahlungen oder Reparaturkosten können die Liquidität unter Druck setzen. Häufig sind jedoch nicht externe Umstände für eine Liquiditätskrise verantwortlich, sondern hausgemachte Probleme. Unternehmen verzetteln ihre Ressourcen auf zu viele parallele Aufträge, was deren Bearbeitungsdauer und mithin den Zeitraum bis zum Zahlungseingang verlängert. Sie warten zu lange mit der Rechnungsstellung oder bestehen bei länger dauernden Aufträgen nicht auf Teilzahlungen. Das Gewähren langer Zahlungsziele stellt ebenfalls ein Liquiditätsrisiko dar. Außerdem verfügen namentlich kleine Unternehmen oft über kein stringentes Inkasso- und Mahnwesen oder sie trauen sich nicht, die Zahlungsziele gegenüber wichtigen Kunden durchzusetzen.

Wie verhindern Sie einen Liquiditätsengpass?

Aus den oben erwähnten Ursachen lassen sich folgende Tipps zur Vermeidung eines Liquiditätsengpasses ableiten:

  • Nehmen Sie nicht zu viele Aufträge gleichzeitig an und erledigen Sie diese zügig.
  • Klären Sie vor Auftragsannahme die Bonität des Kunden ab.
  • Vereinbaren sie bei längerer Auftragsdauer nach Möglichkeit Abschlagszahlungen.
  • Stellen Sie sofort nach Abschluss der Arbeit oder bei Erreichen eines vereinbarten Meilensteins Rechnung.
  • Schaffen Sie durch Skonti und Rabatte einen Anreiz für schnelle Bezahlung.
  • Berücksichtigen Sie in Ihrer Liquiditätsplanung, dass ein wesentlicher Teil der Rechnungen zu spät gezahlt wird und durchschnittlich fünf Prozent aller Forderungen ausfallen.
  • Bilden Sie rechtzeitig Rücklagen für unerwartete Ausgaben wie Steuernachzahlungen oder Reparaturkosten.

Finanzierungslösungen zur Vermeidung und Überwindung eines Liquiditätsengpasses

Zusätzlich sollten Sie regelmäßig Ihre Finanzierungsstruktur analysieren und bei Bedarf Anpassungen vornehmen.

Ratenkredite

Beispielsweise haben in der gegenwärtigen Krise viele Unternehmen Mühe, die unter ganz anderen Bedingungen vereinbarte Kredittilgung zu bedienen. Ist dies der Fall, lohnt es sich, mit der Bank über eine Tilgungsaussetzung oder -streckung zu verhandeln. Zeigt die Bank nicht genügend Entgegenkommen, ist es sinnvoll, eine Umschuldung zu prüfen. Einen guten Überblick über die günstigsten Kreditangebote auf dem Markt verschaffen Sie sich mit dem kostenlosen Kreditvergleich von Finanzierung.com. Wichtig ist, dass sie mit einer Umschuldung nicht zu lange warten, denn akute Liquiditätsprobleme wirken sich negativ auf Ihre Kreditwürdigkeit aus.

Mezzanine-Kapital

Eine Alternative zum Bankkredit sind Mezzanine-Finanzierungen wie stille Beteiligungen, Genussrechte oder Nachrangdarlehen. Sie schonen die Liquidität, da sie während ihrer Laufzeit keine Tilgung erfordern. Mezzanine-Finanzierungen sind ein Zwitter: Sie gelten als wirtschaftliches Eigenkapital. Deshalb stärken sie die Bonität und erleichtern dementsprechend die Aufnahme zusätzlicher Kredite. Dennoch lassen sich die Zinszahlungen wie beim Fremdkapital als Betriebsaufwand von der Steuer absetzen.

Leasing

Eine andere Alternative zur Kreditfinanzierung ist das Leasing. Vor allem bei kurzen und mittleren Laufzeiten verursacht das Leasing einen geringeren Liquiditätsabfluss als ein Kredit, weil über die Leasingraten meist nicht der gesamte Anschaffungspreis amortisiert wird. Die Leasingkosten sind steuerlich vollständig als Betriebsausgabe absetzbar, während die Tilgungsraten eines Kredits nicht abzugsfähig sind. Davon abgesehen sind die Leasingraten für die gesamte Vertragslaufzeit im Voraus bekannt, was die Liquiditätsplanung deutlich erleichtert.

Sale-and-Lease-back

Droht ein Liquiditätsengpass, kann sich ein Sale-and-Lease-back als vorteilhaft erweisen. Beim Sale-and-Lease-back führt ein Unternehmen bestehende Objekte aus dem Anlagevermögen in ein Leasingverhältnis über. Auf diese Weise gelangt es schnell an flüssige Mittel, ohne auf die verkauften Güter verzichten zu müssen. Sale-and-Lease-back wird insbesondere dazu verwendet, stille Reserven im Immobilienvermögen aufzulösen.

Factoring

Vor der verschlechterten Zahlungsmoral der Kundschaft schützt Factoring. Der Verkauf der Rechnungsforderungen an einen Finanzierer sorgt dafür, dass sämtliche Zahlungen pünktlich eintreffen – egal, ob die Debitoren ihre Überweisung fristgerecht tätigen. Zahlungsausfälle sind für den Factoringnehmer ebenfalls kein Problem, zumal das Delkredererisiko mit dem Rechnungsverkauf auf den Factoringanbieter übergeht. Dieser entlastet seinen Kunden zudem beim Debitorenmanagement und beim Forderungseinzug. Factoringlösungen lassen sich innerhalb weniger Tage implementieren. Sie eignen sich darum nicht nur zur Verhinderung, sondern auch zur Überwindung von Liquiditätsengpässen.

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