Sparkassendirektor verdient mehr als die Kanzlerin
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Was darf der Manager einer Sparkasse verdienen?

Gelegentlich gibt es zu den Gehältern von Spitzenkräften der Wirtschaft eine öffentliche Diskussion. Dabei wird durchaus nach ihrer Verantwortung unterschieden. Wer einen internationalen Milliardenkonzern managt, darf dabei persönlich gut verdienen, lautet der Konsens. Darf das auch ein Sparkassendirektor?

Millionengehalt für Sparkassenvorstand

Ein Vorstand der Hamburger Sparkasse (Haspa) verdient wohl deutlich mehr, als ihm die Volksmeinung zubilligen würde. Das kommunale Geldhaus – freilich hinsichtlich der Bilanzsumme die bundesweit größte Sparkasse – zahlt seinen Spitzenkräften beinahe so hohe Gehälter, wie die Privatbanken mit ihren wesentlich größeren Umsätzen.

Die Haspa verbuchte 2016 ein Ergebnis nach Steuern von 80 Millionen Euro, was angesichts der Niedrigzinsphase als sehr gut gelten darf. Diesem positiven Rückblick, der aus dem Offenlegungsbericht der zuständigen Haspa Finanzholding hervorgeht, stehen die Gehälter der Topverdiener gegenüber. Das meiste strich Vorstandssprecher Harald Vogelsang ein, seine Gesamtvergütung für 2016 bewegte sich um die 1,5 – 2 Millionen Euro. Über eine Million Euro Vergütung erhielten sechs Manager von deutschen Sparkassen, allein fünf von ihnen sind Vorstände der Haspa.

Allerdings sind die Vergütungen viel weniger transparent als gewünscht, denn der Geschäftsbericht weist deutlich weniger aus. Das liegt an üppigen Pensionsrückstellungen, die in Wahrheit hinzuzurechnen sind. Außerdem arbeiten Haspa-Vorstände gleichzeitig für die zuständige Finanzholding und kassieren für beide Bereiche. Ihre Einkünfte nähern sich damit sehr deutlich denen von Privatbankmanagern etwa der Commerzbank an, die eine zehnmal höhere Bilanzsumme verantworten. Diese verdienen etwa anderthalbmal so viel wie die Haspa-Vorstände.

Wie sind die hohen Einkünfte zu erklären?

Fairerweise bedarf es einer differenzierten Betrachtung: Die Pensionsrückstellungen machen einen sehr großen Teil der Einkünfte bei den Sparkassenmanagern aus, denn diese Geldhäuser legen traditionell für die Altersvorsorge viel mehr Geld zurück als Privatbanken – rund 27 % versus 2 %. Das entspricht dem Rollenverständnis der Sparkassen, die im öffentlichen Interesse arbeiten und sich bezüglich ihrer Beschäftigungs- und Entlohnungspolitik eher am öffentlichen Dienst als an der Privatwirtschaft orientieren. Doch dann dürfte es auch keine Auswüchse bei den Spitzeneinkommen geben.

Der Sparkassendirektor und die Kanzlerin

Dass “jeder Sparkassendirektor” mehr verdient als ein Spitzenpolitiker – im konkreten Fall mehr als die Bundeskanzlerin – kommunizierte sehr deutlich im Jahr 2012 der SPD-Politiker Peer Steinbrück, damals Kanzlerkandidat und auch Finanzminister. Die Menschen im Lande merkten auf und begannen sich für die genannten Einkünfte zu interessieren.

Aktuell verdient Angela Merkel rund 300.000 Euro jährlich, was sicher viel, aber im Vergleich zum Sparkassendirektor höchstens ein Fünftel von dessen Gehalt ist.

Beide Jobs dürften als schwierig gelten, doch wenn wir den Sparkassendirektor mit Verwaltungsaufgaben ohne öffentliches Aufsehen der KanzlerIn im Dauerfeuer der Medien gegenüberstellen, erscheint der Gehaltsunterschied absurd hoch.

Das schürt Misstrauen gegen die Sparkassen, die doch solide unser Geld verwalten und am besten mit Gewinn anlegen sollen, was ihnen längst nicht mehr gelingt – im Gegenteil. Einige Geldinstitute, darunter als unrühmliche Vorreiter die Sparkassen, erheben inzwischen Strafzinsen, wenn jemand bei ihnen große Geldsummen parkt.

Das ist alles andere als volksnah und beschädigt im Zusammenhang mit Spitzengehältern von Sparkassenvorständen das Image der einst so solide geltenden Finanzinstitute.

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