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Wie Corona das Zahlungsverhalten beeinflusst und was dies für den Einzelhandel bedeutet

Die Corona-Pandemie hat das Zahlungsverhalten der Verbraucher verändert. Insbesondere die Kontaktloszahlungen und die Verwendung von PayPal nahmen im letzten Jahr zu. Derweil gingen die Bargeldtransaktionen weiter zurück.

Die Corona-Pandemie ist ein massiver Einschnitt. Lockdown, Homeoffice-Pflicht, virtuelle Meetings, Reisebeschränkungen und Social Distancing haben das Verhalten der Menschen verändert. Händeschütteln oder zwei Küsschen auf die Wange gehören der Vergangenheit an. Heute gibt man sich den Ellenbogen, die Faust oder den Fuß.

Barzahlung verliert an Bedeutung

Auch beim Zahlungsverhalten fanden Veränderungen statt. So verlor die Barzahlung während des letzten Jahres weiter an Boden. Laut der Studie „Zahlungssysteme im Einzelhandel 2021“ des EHI Retail Institute sank der Umsatzanteil der Barzahlungen im stationären Einzelhandel gegenüber 2019 um 5,6 Prozentpunkte auf 40,9 Prozent. Ein gegenläufiger Trend zeigte sich bei den Kartenzahlungen, deren Anteil von 50,5 Prozent auf 56,3 Prozent zunahm.

Dies geht in erster Linie auf die Girocard zurück. Sie konnte ihren Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz von einem Drittel auf mehr als 40 Prozent ausbauen. Treiber hinter der vermehrten Kartennutzung ist die Kontaktlosfunktion, die dem pandemiebedingt gestiegenen Hygienebedürfnis der Verbraucher entgegenkommt. Sechs von zehn Girocard-Transaktionen fanden Ende 2020 kontaktlos statt. Im Jahr zuvor waren es erst 35,7 Prozent. Fünf bis zehn Prozent aller kontaktlosen Girocard- und Kreditkartenzahlungen erfolgten über das Smartphone.

Trend zu elektronischen Zahlungsverfahren

Beim Online-Handel waren die Veränderungen des Zahlungsverhaltens im vergangenen Jahr weniger ausgeprägt als im stationären Bereich. Das beliebteste Zahlungsverfahren war gemäß EHI-Studie „Online-Payment 2021“ immer noch der Kauf auf Rechnung. Der Umsatzanteil der Rechnungskäufe ging mit 30,4 Prozent allerdings um 2,4 Prozentpunkte zurück. Ebenfalls leicht rückläufig war die Entwicklung beim Lastschriftverfahren, das auf einen Umsatzanteil von 17,9 Prozent kam. Der Anteil der Kreditkartenzahlungen am gesamten E-Commerce-Umsatz legte um etwas mehr als einen Prozentpunkt auf 11,8 Prozent zu. Eine größere Veränderung gab es bei PayPal. Der Bezahldienst steigerte seinen Umsatzanteil im Online-Handel auf fast ein Viertel. Die Zunahme von 4,7 Prozentpunkten geht mehrheitlich auf Neukunden zurück.

Erste Erkenntnisse lassen vermuten, dass sich der Trend zur vermehrten Nutzung elektronischer Zahlungsmethoden sowohl im On- als auch im Offline-Bereich nach der Corona-Krise fortsetzen wird. Gemäß einer repräsentativen Umfrage des Kartenherausgebers Visa sind acht von zehn Verbrauchern überzeugt, das neue Bezahlverhalten werde nach der Pandemie Bestand haben. Dafür sprechen auch die Pläne der EU-Kommission, eine Obergrenze für Bargeldtransaktionen einzuführen.

Mehr Zahlungsoptionen – höhere Konversionsrate

Dass immer weniger Menschen bar oder per Rechnung zahlen, bedeutet indes nicht, dass das Spektrum der verwendeten Zahlungsmethoden kleiner wird – im Gegenteil. Schon heute bieten die 1000 größten Online-Shops Deutschlands durchschnittlich acht verschiedene Zahlungsmethoden an. Dass dies keineswegs zu viele sind, zeigt eine Untersuchung des Regensburger Marktforschungsinstituts Ibi Research. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kunde den Checkout beim Online-Shopping abschließt, hängt nämlich wesentlich davon ab, ob die von ihm präferierte Zahlungsmethode zur Auswahl steht.

Bietet ein Händler zum Beispiel nur Vorkasse, Sofortüberweisung und Kreditkartenzahlung an, brechen sechs von zehn Kunden den Bestellvorgang ab. Selbst wenn der Verkäufer zusätzlich die Option des Rechnungskaufs ins Angebot aufnimmt, verzichtet immer noch jeder dritte Kunde auf die Bestellung. Um die Abbruchquote auf ein Prozent zu senken, sind mindestens sieben verschiedene Bezahlverfahren notwendig.

Wer ausschließlich Barzahlung anbietet, verliert Kunden

Im stationären Einzelhandel ist die Gefahr, dass Kunden ihre Einkäufe abbrechen, wenn sie an der Kasse nicht die gewünschte Zahlungsmethode vorfinden, naturgemäß kleiner. Aber auch im Ladengeschäft erwarten die Menschen Auswahl bei den Zahlungsoptionen. In einer Studie von Visa gaben beispielsweise 15 Prozent der Befragten an, Geschäfte zu meiden, in denen ausschließlich Barzahlung möglich ist.

Das Angebot mehrerer Zahlungsvarianten bedeutet jedoch einen erheblichen Zusatzaufwand für den Händler. Er muss Verträge mit unterschiedlichen Zahlungsanbietern abschließen und deren Checkout-Lösungen oder Zahlungsterminals in seinen Online-Shop oder das Kassensystem integrieren. Händler, die Kreditkartenzahlung anbieten, sind zudem verpflichtet, jedes Jahr einen komplexen Validierungsprozess zu durchlaufen, der die Datensicherheit gewährleisten soll. Für viele Händler ist dieser Aufwand schlicht zu groß.

Zahlungsdienstleister vereinfachen Integration unterschiedlicher Bezahloptionen

Eine Alternative besteht darin, die Dienste eines Payment Service Providers in Anspruch zu nehmen, der sich um die technische Integration der unterschiedlichen Zahlungsverfahren kümmert. Vor allem Online-Shops profitieren von den Angeboten der Zahlungsdienstleister. Sie können die einzelnen Zahlungsmethoden jederzeit per Mausklick aktivieren oder deaktivieren und sind somit ohne großen Implementierungsaufwand in der Lage, das Zahlungsportfolio mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis zusammenzustellen.

Darüber hinaus bieten einige Payment Service Provider ihren Kunden weitere Leistungen wie Unterstützung beim Debitorenmanagement oder Factoring. Das Factoring sorgt bei Rechnungskäufen dafür, dass der Händler sein Geld unverzüglich erhält und dass er im Falle von Zahlungsausfällen keine Verluste erleidet. Beim Lastschriftverfahren schützt das Factoring vor Rücklastschriften, wenn das Konto des Käufers nicht gedeckt ist. Ist das Factoring im Angebot des Zahlungsdienstleisters nicht enthalten, kann es sich daher lohnen, zusätzlich einen Vertrag mit einer Factoringgesellschaft abzuschließen.

Finanzierung.com: Günstige Finanzierungslösungen für den Einzelhandel

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Corona-Pandemie hat den Wandel hin zu elektronischen Zahlungsmethoden stark beschleunigt. Dieser Trend dürfte sich längerfristig fortsetzen. Wer als Händler Erfolg haben will, muss deshalb sowohl im stationären als auch im Online-Bereich eine große Auswahl unterschiedlicher Zahlungsvarianten anbieten. Dies erfordert nicht zuletzt einiges an Investitionen.

Doch bei vielen Händlern ist die Liquiditätssituation nach dem bis zum Frühjahr dauernden Lockdown nach wie vor angespannt. Damit es Ihnen trotzdem gelingt, die notwendigen Anpassungen vorzunehmen, unterstützt Sie Finanzierung.com bei der Suche nach günstigen Finanzierungslösungen. Wir vermitteln Ihnen unter anderem Kredite und Darlehen, Leasing, Factoring, Waren- und Lagerfinanzierungen sowie Mezzanine-Kapital. Gerne stehen wir Ihnen für ein kostenfreies Beratungsgespräch zur Verfügung.

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