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Nie wieder Ärger mit Zahlungsausfällen – Factoring und Kreditversicherung im Vergleich

Factoring und Kreditversicherung

Zahlungsausfälle sind ärgerlich. Nicht selten verursachen sie ernsthafte Liquiditätsschwierigkeiten oder verzögern wichtige Investitionsprojekte. Darum zeigen wir Ihnen im folgenden Beitrag zwei Wege, wie Sie sich gegen Forderungsverluste absichern können.

Das 21. Jahrhundert bringt laufend neue Zahlungsmethoden hervor. Dennoch genießt die gute alte Rechnung weiterhin hohe Beliebtheit. So bieten gemäß einer Studie des Regensburger Marktforschungsinstituts Ibi Research selbst im E-Commerce 94 Prozent aller Händler ihren B2B-Kunden das Bezahlen per Rechnung an. Dahinter steht die Erfahrung, dass Unternehmen, die den Rechnungskauf anbieten, eine höhere Konversionsrate haben. Vor allem für die Gewinnung von Neukunden ist die Zahlung per Rechnung ein wichtiges Argument. Dies gilt auch im B2C-Geschäft. Fast neun von zehn Verbrauchern zählen die Rechnung bei Online-Käufen zu ihren favorisierten Zahlungsvarianten.

Forderungsverluste sorgen für empfindliche Gewinneinbuße

Für kleine und mittlere Unternehmen stellt das Anbieten von Produkten und Dienstleistungen gegen Rechnung allerdings ein erhebliches Risiko dar. 2019 mussten deutsche Unternehmen Rechnungsforderungen im Wert von 2,1 Prozent ihres Umsatzes als uneinbringlich abschreiben. Das bedeutet, dass ein durchschnittliches KMU, das eine Umsatzrendite von 7,5 Prozent erwirtschaftete, 28 Prozent seines Vorsteuergewinns verlor. In Branchen mit tiefer Profitabilität wie dem Handel kann der Ausfall von zwei Prozent des Umsatzes sogar mehr als die Hälfte des Gewinns vernichten.

Diese Zahlen machen klar, wie wichtig es ist, sich gegen Forderungsverluste abzusichern. Im Wesentlichen gibt es drei Möglichkeiten der Absicherung:

  • den Eigentumsvorbehalt
  • den Abschluss einer Kreditversicherung
  • die Forderungsabtretung im Rahmen eines Factorings

Im Folgenden nehmen wir die letzteren beiden Varianten unter die Lupe.

Kreditversicherung: Günstige Absicherung gegen Forderungsverluste

Die Kreditversicherung, auch Delkredere-, Warenkredit- oder Kreditausfallversicherung genannt, springt ein, wenn ein Debitor wegen Zahlungsunfähigkeit ausfällt. Die Entschädigung wird nach einer drei bis neun Monate dauernden Prüfung ausgezahlt und beträgt typischerweise 80 bis 90 Prozent der Schadenssumme. Hat der Debitor Insolvenz angemeldet, erfolgt die Auszahlung des Versicherungsbetrags in der Regel unverzüglich.

Neben der Versicherungsleistung im Entschädigungsfall bieten die meisten Versicherungsgesellschaften die fortlaufende Bonitätsprüfung der Debitoren an. Anhand der Prüfergebnisse geben sie ihren Kunden nützliche Tipps zur Ausgestaltung der Zahlungsbedingungen und zur Vertragsgestaltung. Kreditversicherer unterstützen ihre Kunden zudem beim Forderungseinzug und bieten ihnen Rechtsschutz bei Klagen gegen säumige Zahler.

Im Schnitt liegen die Kosten einer Warenkreditversicherung bei 0,1 bis 0,5 Prozent des Umsatzes. Sie variieren je nach Umsatzvolumen, Selbstbeteiligung des versicherten Unternehmens und Höhe der einzelnen Rechnungsbeträge. Eine wichtige Rolle spielen ferner die Branche des Versicherungsnehmers, die Debitorenstruktur und die gewählten Zusatzleistungen. Verzichtet der Kunde auf Inkassodienste und die Bonitätsprüfung der Debitoren durch den Versicherer, spart er sich Gebühren. Er geht dabei jedoch ein Risiko ein. Wenn er die Kreditprüfung eines ausgefallenen Schuldners vernachlässigt hat, kann der Versicherer die Auszahlung der Entschädigung verweigern oder die Entschädigungssumme kürzen.

Kreditversicherung und Factoring im Vergleich
KreditversicherungFactoring
Vorteilegünstiginteressante Zusatzleistungenschnelle Liquidität trotz langer Zahlungsziele oder Zahlungsverzögerungenstärkt Cashflowinteressante Zusatzleistungen
Nachteilelange Wartezeit im Schadensfallteurer als Kreditversicherung

Factoring: Schneller Zahlungseingang unabhängig von Zahlungsmoral der Debitoren

Ein nicht zu unterschätzender Nachteil der Kreditausfallversicherung ist die lange Wartezeit zwischen der Schadensmeldung und der Auszahlung des Versicherungsbetrags. Durch Factoring gelangt ein Unternehmen deutlich schneller an sein Geld. Sobald es eine Rechnungsforderung an den Factoringanbieter abgetreten hat, erhält es die Auszahlung innerhalb von 24 bis 48 Stunden – unabhängig davon, ob und wann der Debitor zahlt. Mithin schützt das Factoring nicht nur vor Forderungsverlusten, sondern auch vor Zahlungsverzögerungen, wie sie insbesondere im B2B-Geschäft – leider – zum Alltag gehören. Der rasche Liquiditätszufluss durch den Forderungsverkauf ermöglicht einem Unternehmen überdies, seinen Kunden lange Zahlungsziele einzuräumen und sich so einen Konkurrenzvorteil zu verschaffen.

Eine kleine Einschränkung in Bezug auf die Auszahlungen gilt es allerdings zu beachten: Viele Factoringgesellschaften bevorschussen lediglich 80 bis 90 Prozent der Rechnungssumme. Den Rest zahlen sie erst, wenn sicher ist, dass der Debitor weder die Forderung bestreitet noch einen Teil der Zahlung aufgrund von Mängeln einbehält.

Entlastung durch Zusatzleistungen

Wie bei den Kreditversicherungen beschränken sich die Leistungen beim Factoring nicht auf die reine Versicherungs- beziehungsweise Finanzierungsfunktion. Das Maximum an Zusatzleistungen erhält der Kunde im Rahmen des sogenannten Full-Service-Factorings, bei dem der Factor von der Rechnungsstellung bis zum Inkasso sämtliche Bereiche des Debitorenmanagements übernimmt. Von dieser Entlastung profitieren namentlich kleinere Unternehmen, die sich wegen mangelnder Personalressourcen und persönlicher Beziehungen zu den Kunden scheuen, ihre Forderungen mit dem notwendigen Nachdruck durchzusetzen. Die Auslagerung an einen professionellen Anbieter hilft ihnen, die Effizienz beim Forderungseinzug zu steigern.

Dadurch sinken wiederum die Factoringkosten. Denn das Zahlungsverhalten der Debitoren ist ein bestimmender Faktor bei der Festlegung der Gebühren. Weitere wichtige Faktoren sind die Kreditwürdigkeit der Schuldner, das Umsatzvolumen des Factoringnehmers, die durchschnittliche Höhe der Rechnungsbeträge und der Leistungsumfang. Die zusätzliche Finanzierungskomponente macht das Factoring etwas teurer als eine Delkredereversicherung. Üblicherweise liegen die Kosten bei einem bis drei Prozent des Factoringumsatzes. Einen Teil der Kosten können Factoringnutzer indes wettmachen, indem sie die bevorschusste Liquidität für Skontozahlungen verwenden.

Fazit: Warenkredit oder Factoring?

Zusammenfassend lässt sich sagen: Kreditversicherungen sind eine günstige Lösung zur Absicherung gegen Zahlungsausfälle. Factoring ist ein bisschen teurer. Dafür bietet es zusätzlich zur Versicherungskomponente eine Finanzierungsfunktion, die den Cashflow verbessert und Liquiditätsengpässe durch Zahlungsverzögerungen verhindert. Kommt es zu einem Zahlungsausfall, müssen Versicherungskunden relativ lange auf die Entschädigung warten. Factoringnehmer sind dagegen fein raus. Sie haben ihr Geld bereits erhalten und müssen keine Regressforderung durch den Factor befürchten.

Welche der beiden Varianten der Absicherung gegen Zahlungsausfälle für Sie die bessere ist, lässt sich natürlich nicht pauschal beurteilen. Die Antwort hängt sowohl von Ihrem bestehenden Finanzierungsmix als auch von Ihrem Liquiditätsverlauf, Ihrer Kundenstruktur und Ihrem Bedarf an Zusatzleistungen ab. Gerne sucht Finanzierung.com im persönlichen Gespräch mit Ihnen nach der besten Lösung für Ihren Betrieb. Zusätzlich erstellen unsere Experten für Sie einen ausführlichen Angebotsvergleich, der, falls Sie dies wünschen, auch andere Finanzierungsvarianten wie Finetrading, Lagerfinanzierungen, Leasing, Kredite oder Fördermittel umfasst. Der Finanzierungsvergleich und die Beratung sind für Sie kostenlos und unverbindlich.